Karlsbastion Lindau: die alte Schanze zur Gartenschau 2021 und heute
Am Westufer der Hinteren Insel steht ein Festungswerk, das die meisten Spaziergänger nur als Aussichtspunkt kennen. Für die Gartenschau 2021 wurde die Karlsbastion vom Efeu befreit, saniert und mit Rampe und Seetreppe ausgestattet. Seither verbindet sie Schützinger Weg und Luitpoldpark und ist bis heute einer der schönsten Plätze mit Blick auf See und Alpen.

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Südwestufer, am Ende der Schützinger Promenade
Vom Efeu befreit, saniert, mit Rampe und Seetreppe
Aussichtspunkt über See und Alpen
Ein Bollwerk am Westufer der Insel
Wer vom Lindauer Hafen am Wasser entlang nach Westen geht, erreicht nach der Schützinger Promenade einen erhöhten, grünen Vorsprung. Das ist die Karlsbastion Lindau, eine der späten Befestigungen der Reichsstadt. Sie liegt am südwestlichen Ufer der Hinteren Insel, direkt über dem Bodensee, und ist damit der Punkt, an dem die Insel sich zum offenen Wasser nach Westen hin wendet.
Gebaut wurde die Schanze vermutlich unter Kaiser Karl V., dessen Lebenszeit von 1500 bis 1558 reichte. Daher kommt der Name. 1619, kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges, ließ die Stadt das Werk verstärken, um die Insel gegen Westen abzusichern. Teile der Mauern stammen noch aus dem 16. Jahrhundert. Über Jahrzehnte waren sie allerdings kaum zu sehen, weil Efeu und Buschwerk den Stein fast vollständig verdeckten.
Die Umgebung hat sich seit der Festungszeit stark verändert. Im 19. und 20. Jahrhundert prägte die Eisenbahn die Hintere Insel. Die denkmalgeschützten Bahngebäude stehen bis heute neben der Bastion, inzwischen ergänzt durch Neubauten. Diese Mischung aus Festungsmauer, Bahngeschichte und neuer Architektur macht den Ort ungewöhnlich. Auf wenigen Metern liegen mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte nebeneinander.
Der leere Sockel des Maximiliansdenkmals
Auf der Schanze fällt ein steinerner Sockel ohne Figur auf. Er gehörte zum Maximiliansdenkmal, das ursprünglich am Seehafen stand, zwischen dem Hotel Bayerischer Hof und dem Bahnhof. Die Statue des bayerischen Königs wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, weil Metall knapp war und das Regime mit dem Königsdenkmal wenig anfangen konnte. Eine neue Figur hat Lindau nie aufgestellt.
Der Sockel selbst überstand den Krieg und bekam später einen neuen Platz auf der Karlsbastion. Er trägt die Jahreszahl 1856. Rundum sind bronzene Stadtwappen angebracht, im Uhrzeigersinn München, Augsburg, Würzburg, Ansbach, Bayreuth, Regensburg, Speyer und Landshut. Dass Speyer in dieser Reihe steht, erklärt sich aus der Zeit: Die Pfalz gehörte im 19. Jahrhundert zum Königreich Bayern.
Der Sockel ist heute eher Kuriosum als Denkmal. Viele Besucher setzen sich auf die Stufen davor, ohne zu wissen, was dort einmal stand.
Die Ulme und drei Rosskastanien
Der Baum, der die Bastion beherrscht, ist eine Ulme. Sie steht seit mehr als 100 Jahren auf der Schanze. Das ist bemerkenswert, denn das Ulmensterben, eine Pilzkrankheit, hat in den vergangenen Jahrzehnten die meisten heimischen Ulmen vernichtet. Die Lindauer Ulme gehört zu den wenigen in der Stadt, die überlebt haben.
Neben ihr wachsen drei Rosskastanien, deren Äste weit über das Wasser hinausreichen. Im Sommer entsteht so ein Schattendach direkt am Ufer, das bei Hitze den Unterschied macht. Bei der Umgestaltung für die Gartenschau blieben die alten Bäume stehen; entfernt wurde nur das Buschwerk an den Mauern.

Die Karlsbastion Lindau zur Gartenschau 2021
Für die Gartenschau 2021 war die Bastion einer von sechs Bauabschnitten auf der Hinteren Insel. Die Arbeiten begannen Ende Oktober 2019, eine Woche nach dem symbolischen Spatenstich vom 17. Oktober. Damit war die Karlsbastion zusammen mit dem Schützinger Weg die erste Baustelle des gesamten Projekts. Fertig sein sollte sie im Frühjahr 2020, zugänglich wurde sie dann, wie der Großteil des Geländes, mit der Eröffnung im Mai 2021.
Im Zentrum stand die Sanierung. Das Mauerwerk galt als marode, und die Gartenschau-Förderung des Freistaats floss ausdrücklich auch in die Instandsetzung der Bastion. Bei einer öffentlichen Baustellenführung im November 2019 zeigte die Bauleitung, wie das Gemäuer, das fast vollständig unter Efeu verschwunden war, wieder freigelegt wurde. Das Gebüsch rund um die Schanze wurde entfernt, damit die alten Mauern von der Promenade und vom Wasser aus wieder zu erkennen sind.
Zwei bauliche Ergänzungen haben den Charakter des Ortes verändert. Eine Rampe führt seither auf die Bastion, sodass auch Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen den Ausblick erreichen. Direkt daneben wurde eine Stahltreppe hinunter zum See gebaut. Sie gehört zu den kleinen Eingriffen, mit denen das Motto „Gartenstrand“ praktisch umgesetzt wurde: Der See sollte nicht nur zu sehen, sondern auch zu erreichen sein.
Das Geld kam aus zwei Töpfen. Insgesamt 4,8 Millionen Euro staatliche Förderung flossen in die Gartenschau Lindau, davon 2,6 Millionen Euro Gartenschau-Förderung und 2,2 Millionen Euro Städtebauförderung. Aus dem ersten Topf wurden neben der Bastion auch der Bürgerpark, die Uferstufen und die Umgestaltung des Luitpoldparks bezahlt. Für eine Stadt von der Größe Lindaus wäre die Sanierung eines solchen Festungswerks allein kaum zu stemmen gewesen, und genau dafür ist das Förderprogramm der bayerischen Gartenschauen gedacht.
Im Konzept der Gartenschau war die Karlsbastion ein Knotenpunkt. Vom Schützinger Weg kommend ging es hier in den stillen Luitpoldpark, und die Bastion markierte den Übergang von der belebten Promenade in die Ruhezone. Wie die sechs Bereiche insgesamt zusammenhängen, beschreibt die Übersicht zum Konzept der Gartenschau Lindau.
Kakteen auf der Schanze: der Sommer 2021
Während der Gartenschau war die Bastion auch Ausstellungsfläche. Im Juli 2021, während der Themenwochen zur Wüste, stellte ein Kakteengarten aus Oettingen dort winterharte Kakteen, Stauden und Gräser für trockene, sonnige Standorte vor. Besucher konnten sich beraten lassen und die Pflanzen gleich kaufen. Die Wahl des Ortes war nicht zufällig: Die Schanze ist einer der sonnigsten Punkte des Geländes, der Stein speichert Wärme.
Außerdem führten die Baustellenrundgänge der Jahre 2019 und 2020 regelmäßig über die Bastion. Wer damals dabei war, kannte die Stelle noch mit Efeu überzogen und konnte verfolgen, wie Stück für Stück das Mauerwerk zum Vorschein kam.

Die Karlsbastion Lindau heute
Nach dem Ende der Gartenschau am 10. Oktober 2021 folgte der Rückbau der temporären Ausstellung. Ab dem 30. Oktober 2021 war der Uferweg wieder frei, von der Eilguthalle über die Schützinger Promenade und die Karlsbastion bis in den Luitpoldpark und weiter zum Bürgerpark. Seither ist die Bastion das, wofür sie umgebaut wurde: ein öffentlicher, frei zugänglicher Aussichtspunkt ohne Eintritt.
Die Stadt Lindau führt die Karlsbastion heute als eigenen Ort in ihrem Tourismusangebot und nennt ausdrücklich den barrierefreien Zugang und die Stahltreppe zum See. Beides ist also dauerhaft geblieben. Die Ulme steht weiterhin, ebenso die drei Kastanien. Die Bastion ist Teil des Parkbands um die Hintere Insel, für das die Stadt Lindau 2024 beim Bundespreis Stadtgrün ausgezeichnet wurde.
Ehrlich gesagt ist die Karlsbastion der unspektakulärste der sechs Bereiche, wenn man nach Neubauten sucht. Ihr Wert liegt woanders: Hier wurde nichts Neues hingestellt, sondern etwas Altes wieder sichtbar gemacht. Wer die Mauern vom Wasser aus betrachtet, etwa von der Stahltreppe, sieht das am deutlichsten.
Anfahrt und Rundgang ab der Bastion
Zu Fuß ist die Karlsbastion vom Bahnhof Lindau-Insel und vom Hafen aus in wenigen Minuten erreichbar, indem man dem Ufer nach Westen folgt. Wer mit dem Auto kommt, parkt am besten im Parkhaus P4 Inselhalle auf der Insel oder auf einem der Plätze am Festland; Details stehen auf der Seite zum Parken in Lindau. Für die Anreise per Bahn und Schiff hilft der Überblick unter Anreise auf die Lindauer Insel.
Ein sinnvoller Rundgang beginnt am Hafen, führt über den Schützinger Weg zur Bastion, dann durch den Luitpoldpark in den Bürgerpark und zu den Uferstufen. Hinter der Promenade beginnt der rund fünf Meter breite Inselrundweg, der zur Gartenschau angelegt wurde und bis zur Thierschbrücke führt. Er macht es möglich, die Hintere Insel komplett am Wasser zu umrunden, ohne auf Straßen auszuweichen.
Am späten Nachmittag lohnt es sich, die Reihenfolge umzudrehen: Die Bastion zeigt nach Südwesten, und bei klarem Wetter geht die Sonne dort über dem See unter. Wer den Sonnenuntergang von der Schanze aus sehen will, sollte also eher gegen Ende des Rundgangs hier ankommen.
Häufige Fragen
Wo liegt die Karlsbastion in Lindau?
Die Karlsbastion liegt am südwestlichen Ufer der Hinteren Insel, direkt am Bodensee. Die Adresse der Stadt lautet Schützinger Weg, 88131 Lindau. Von Osten erreicht man sie über die Schützinger Promenade, nach Norden schließt der Luitpoldpark an. Vom Bahnhof Lindau-Insel ist sie zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen, wenn man dem Uferweg nach Westen folgt.
Was wurde an der Karlsbastion Lindau zur Gartenschau 2021 gebaut?
Die Arbeiten begannen Ende Oktober 2019, kurz nach dem ersten Spatenstich. Die Mauern wurden vom Efeu und Gebüsch befreit, das marode Mauerwerk saniert und eine Rampe angelegt, die die Schanze barrierefrei macht. Neben der Bastion führt eine neue Stahltreppe hinunter zum See. Finanziert wurde das aus der Gartenschau-Förderung, die auch Bürgerpark, Uferstufen und Luitpoldpark mittrug.
Ist die Karlsbastion Lindau heute barrierefrei?
Ja. Die Rampe, die zur Gartenschau entstand, ist dauerhaft geblieben, und die Stadt Lindau beschreibt den Zugang zur Bastion als barrierefrei. Damit ist der Ausblick von der Schanze auch für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen erreichbar. Nicht barrierefrei ist dagegen die Stahltreppe zum Wasser, die bewusst als direkter Seezugang für Fußgänger gebaut wurde.
Was hat es mit dem leeren Sockel auf der Karlsbastion auf sich?
Der Sockel gehörte zum Maximiliansdenkmal, das einst am Seehafen zwischen dem Hotel Bayerischer Hof und dem Bahnhof stand. Die Statue des bayerischen Königs wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, ersetzt wurde sie nie. Der Sockel trägt die Jahreszahl 1856 und bronzene Wappen bayerischer Städte, darunter München, Augsburg und Regensburg. Er kam später auf die Bastion.
Wie alt ist die Karlsbastion?
Nach Angaben der Stadt Lindau wurde die Bastion vermutlich unter Kaiser Karl V. errichtet, der von 1500 bis 1558 lebte, und 1619 verstärkt, um die Insel nach Westen zu sichern. Teile der Mauern stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die Anlage gehört damit zu den späten Befestigungen der alten Reichsstadt und ist deutlich älter als die Bahnanlagen, die später daneben entstanden.
Lohnt sich ein Abstecher zur Karlsbastion bei einem Lindau-Besuch?
Für alle, die ohnehin über die Insel spazieren, auf jeden Fall. Die Bastion kostet keinen Eintritt, ist jederzeit zugänglich und bietet einen freien Blick über den See zu den Bergen. Sie liegt auf dem Rundweg um die Hintere Insel, sodass sich Schützinger Promenade, Luitpoldpark, Bürgerpark und Uferstufen in einem einzigen Spaziergang am Ufer verbinden lassen.