Lindau 2021 Gartenschau · Insel · See
Chronik März 2021

Fahrerloses Shuttle von Continental: Test zur Gartenschau Lindau

Ende März 2021 kündigten Continental und die Stadt Lindau einen Versuch an, der zur Gartenschau passte: Ein Kleinbus ohne Fahrer sollte Besucher kostenlos über die Insel bringen, mitten im öffentlichen Verkehr. Bis das Fahrzeug tatsächlich rollte, dauerte es länger als geplant. Im August 2021 war es dann so weit.

Meldung vom Redaktionell überarbeitet:

AI Kleiner elektrischer Kleinbus ohne Fahrer auf einem Uferweg am See (mit AI erstelltes Bild)
Mit AI erstelltes Bild · Hinweis zu AI-Bildern

Ein Kleinbus ohne Fahrer

Ende März 2021 kündigten Continental und die Stadt Lindau ein Experiment für die Gartenschau an. Während der Schau sollte ein fahrerlos fahrender Kleinbus Besucher kostenlos über die Insel bringen. Vorgesehen war ein elektrisches Fahrzeug vom Typ EZ10 des französischen Technologieunternehmens EasyMile, das zeitweise im Pendelbetrieb im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sein sollte. Den Betrieb übernahm der örtliche Nahverkehrsanbieter, der Stadtverkehr Lindau. Als Zeitraum nannten die Partner damals noch die ursprüngliche Laufzeit vom 20. Mai bis zum 26. September.

Die Technik hinter dem Projekt

Continental ist an dem 2014 gegründeten Unternehmen EasyMile beteiligt. Der Konzern nutzt umgebaute EZ10 weltweit als Entwicklungsplattform unter dem Namen CUbE, kurz für Continental Urban Mobility Experience, um Technologien für den künftigen Betrieb fahrerloser Mobilitätssysteme zu erproben. EasyMile-Fahrzeuge waren 2021 bereits in mehr als 30 Ländern im Einsatz. Meist ging es dabei um die sogenannte erste und letzte Meile, also die Lücken am Anfang und am Ende eines Weges, die Bus und Bahn nicht abdecken.

Für Lindau plante Continental zusätzliche Radar- und Kamerasensoren am Fahrzeug. Auf mehreren Monitoren im Innenraum sollten Fahrgäste sehen, was das Shuttle „sieht“. Dahinter stand eine nüchterne Überlegung. Nur wenige Menschen hatten bis dahin selbst beobachtet, wie fahrerloses Fahren in der Praxis funktioniert, und Vertrauen in die Technik entsteht am ehesten durch eigene Erfahrung.

Warum gerade Lindau

Die Verbindung von Continental und Lindau reicht bis 1996 zurück. In der Stadt sitzt die Zentrale der Geschäftseinheit Fahrerassistenzsysteme. Mit der Hochschule Kempten kam ein weiterer Partner aus der Region dazu: Continental finanziert dort seit 2014 eine Stiftungsprofessur im Bereich Fahrerassistenzsysteme, und Studierende des gleichnamigen Studiengangs an der Fakultät Elektrotechnik sollten den Betrieb begleiten.

Aus Sicht der Stadt ging es um mehr als eine Attraktion für die Saison. Die Oberbürgermeisterin zählte Mobilität zu den wichtigsten Zukunftsfragen Lindaus, weil jedes Frühjahr große Verkehrsströme auf die Insel drängen. Für die Anbindung auf den letzten Metern hielt sie fahrerlose Systeme für eine denkbare Lösung. Auch die Geschäftsführung der Gartenschau sah im Shuttle ein Beispiel dafür, dass eine Gartenschau über Blütenpracht hinaus Fragen stellt, etwa die, wie Städte künftig leben und sich bewegen wollen.

AI Rundliche Shuttle-Kabine an einer überdachten Haltestelle am Ufer (mit AI erstelltes Bild)
Mit AI erstelltes Bild · Hinweis zu AI-Bildern

Eine anspruchsvolle Strecke

Die geplante Route stellte die Fahrzeugsteuerung vor echte Aufgaben. Radstreifen am Fahrbahnrand, Markierungen, Verkehrsinseln und ein erfahrungsgemäß reger Fußgängerverkehr gehören auf der Lindauer Insel zum Alltag. Genaue Strecke und Takt wollten Stadt, Stadtverkehr, Continental und EasyMile in den Wochen vor der Eröffnung abstimmen.

Ein Baustein im Verkehrskonzept der Schau

Das Shuttle war Teil eines größeren Ansatzes. Die Gartenschau warb von Anfang an dafür, ohne eigenes Auto anzureisen, mit Kombitickets für Bahn, Bus und Schiff und mit Park-and-Ride-Plätzen auf dem Festland. Wenige Monate zuvor, im Dezember 2020, hatte außerdem der neue Fernbahnhof Lindau-Reutin den Betrieb aufgenommen, während der Inselbahnhof für den Regionalverkehr blieb. Diese Zwei-Bahnhofs-Lösung hatte die Flächen auf der Hinteren Insel überhaupt erst frei gemacht. Ein fahrerloser Bus zwischen Altstadt und Gartenschau fügte sich in dieses Bild einer Insel mit weniger Autos.

Wie der Betrieb schließlich lief

Bis das Shuttle tatsächlich fuhr, verging deutlich mehr Zeit als angekündigt. Der Linienbetrieb begann erst am Montag, dem 9. August 2021, und lief dann bis zum Ende der verlängerten Schau am 10. Oktober. Das Fahrzeug pendelte täglich von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 19 Uhr im 15-Minuten-Takt zwischen der Haltestelle Heidenmauer und dem Eingang Nord. Die Fahrt blieb kostenlos. Rund zwei Monate war der Kleinbus damit im Einsatz, ein kurzer, aber sehr öffentlicher Test mitten im Inselverkehr.

Wer heute auf die Hintere Insel möchte, kommt mit der Regionalbahn bis zum Bahnhof Lindau-Insel oder nutzt die Parkplätze auf dem Festland. Die Einzelheiten fasst der Beitrag Anreise auf die Lindauer Insel zusammen, Preise und Standorte der Parkplätze stehen unter Parken in Lindau. Wo der Eingang Nord lag, an dem das Shuttle wendete, zeigt die Beschreibung des Geländes.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Wann fuhr das fahrerlose Shuttle zur Gartenschau Lindau?

Angekündigt wurde der Betrieb für die ursprüngliche Laufzeit ab dem 20. Mai 2021. Tatsächlich startete der Shuttleverkehr erst am Montag, dem 9. August 2021, und lief bis zum Ende der verlängerten Gartenschau am 10. Oktober. Das Fahrzeug pendelte täglich von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 19 Uhr im 15-Minuten-Takt.

Welches Fahrzeug wurde für das Shuttle in Lindau eingesetzt?

Eingesetzt wurde ein elektrischer Kleinbus vom Typ EZ10 des Technologieunternehmens EasyMile, an dem Continental beteiligt ist. Continental nutzt umgebaute EZ10 weltweit als Entwicklungsplattform CUbE. Für Lindau waren zusätzliche Radar- und Kamerasensoren vorgesehen, deren Bilder auf Monitoren im Innenraum zeigten, wie das Fahrzeug seine Umgebung wahrnimmt.

Wo hielt das fahrerlose Shuttle während der Gartenschau?

Der Kleinbus verkehrte zwischen der Haltestelle Heidenmauer und dem Eingang Nord der Gartenschau auf der Hinteren Insel. Betrieben wurde er vom Stadtverkehr Lindau, die Fahrt war kostenlos. Die Strecke galt als anspruchsvoll, weil sie Radstreifen, Verkehrsinseln, zahlreiche Markierungen und viel Fußgängerverkehr auf engem Raum verbindet.

Warum testete Continental das fahrerlose Shuttle ausgerechnet in Lindau?

Die Verbindung von Continental und Lindau reicht bis 1996 zurück, in der Stadt sitzt die Zentrale der Geschäftseinheit Fahrerassistenzsysteme. Als weiterer Partner kam die Hochschule Kempten dazu, an der Continental seit 2014 eine Stiftungsprofessur für Fahrerassistenzsysteme finanziert. Studierende dieses Studiengangs sollten den Betrieb begleiten. Die Stadt sah im Shuttle zudem einen möglichen Ansatz für die letzten Meter auf die verkehrsreiche Insel.

Quellen

Stand der Angaben: September 2026.