Geschichte der Gartenschau Lindau: Chronik 2019–2021 und Nachnutzung
Zwischen der Fahnenübergabe im September 2019 und dem letzten Abend im Oktober 2021 lagen gut zwei Jahre Bauzeit, eine Pandemie und eine Verlängerung um zwei Wochen. Die Chronik folgt den wichtigsten Stationen, erklärt die Tradition der bayerischen Gartenschauen dahinter und reicht bis zu Bürgerentscheid und Landschaftsarchitektur-Preis.

Zeitleiste: die Gartenschau Lindau von 2019 bis 2025
Erster Spatenstich
Baubeginn auf der Hinteren Insel.
Fernbahnhof Lindau-Reutin
Die Zwei-Bahnhofs-Lösung macht Flächen auf der Insel frei.
Eröffnung
„Natur in Lindau 2021“ öffnet unter dem Motto „Gartenstrand – vom Berg zum See“.
Verlängerung
Statt am 26. September endet die Schau am 10. Oktober.
Letzter Tag
287.482 Besuche in 144 Tagen.
Bürgerentscheid
Wohnbebauung der südlichen Baufelder abgelehnt.
Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis
Auszeichnung für den Bürgerpark Lindau.
Geschichte der Gartenschau Lindau: eine bayerische Tradition
Die Geschichte der Gartenschau Lindau beginnt eigentlich 1980 in Neu-Ulm. Dort fand die erste Bayerische Landesgartenschau statt, angestoßen von den Verbänden der Gärtner, der Garten- und Landschaftsbauer und der Baumschulen. Die Idee war von Anfang an dieselbe, die auch Lindau vier Jahrzehnte später antrieb: Blumen, Beete und Ausstellungen sollten nur der sichtbare Teil sein, dahinter sollten Parks, Wege und Plätze entstehen, von denen eine Stadt noch lange profitiert.
Das Modell setzte sich durch. Würzburg richtete 1990 eine Landesgartenschau aus, Neu-Ulm 2008 sogar ein zweites Mal, es folgten unter anderem Kitzingen 2011, Deggendorf 2014, Bayreuth 2016 und Pfaffenhofen 2017. Für jede Schau gründen die Gastgeberstadt und die Bayerische Landesgartenschau GmbH eine gemeinsame Gesellschaft. Nach dem Ende wird sie aufgelöst, und die geschaffenen Anlagen gehen in den Besitz der Kommune über. Oft bleiben Freundeskreise, die sich weiter um das Grün kümmern.
Natur in …: die kleine Reihe von 1995 bis 2021
Neben den großen Landesgartenschauen gab es in Bayern ab 1995 eine zweite, kleinere Reihe. Sie trug den Titel „Natur in …“ und begann in Waldkraiburg. Diese Regionalgartenschauen waren für kleinere Städte gedacht, mit weniger Fläche und stärkerem Bezug zur jeweiligen Landschaft. 2019 war Wassertrüdingen in Mittelfranken an der Reihe, und die dortige Schau übertraf mit rund 336.000 Besuchern und mehr als 9.000 Dauerkarten alle Erwartungen.
Lindau folgte als „Natur in Lindau 2021“ und blieb die letzte Schau des Formats. Ab 2022 hob der Freistaat die Trennung auf und vergibt seitdem jährlich eine Bayerische Landesgartenschau. In der eigenen Zählung der Veranstalter war Lindau die 33. Bayerische Landesgartenschau. Welche Schauen seither folgten und welche noch geplant sind, zeigt der Gartenschau-Kalender.

Die Hintere Insel vor der Gartenschau
Der westliche Teil der Lindauer Insel hatte lange wenig mit Gärten zu tun. Über die Jahrhunderte reifte dort Gemüse, dann beanspruchte die Industrialisierung den Platz, später patrouillierten Soldaten, und vor allem prägte die Eisenbahn das Gelände. Rotunde, Lokschuppen und Gleisanlagen standen hier, und der Inselbahnhof ist seit 1854 in Betrieb. Um 1970 wurde die Hintere Insel durch Aufschüttungen um rund vier Hektar vergrößert.
Der Wendepunkt kam mit der Bahn selbst. Die sogenannte Zwei-Bahnhofs-Lösung verlegte den Fernverkehr auf den neuen Bahnhof Lindau-Reutin auf dem Festland, der im Dezember 2020 in Betrieb ging, während der Inselbahnhof für den Regionalverkehr blieb. Damit wurden Flächen frei, die bis dahin Gleise und vor allem ein großer Parkplatz belegten. Auf genau diesem Parkplatz entstand später der Bürgerpark.
Chronik 2019: Fahne, Freundeskreis, Spatenstich
Das Jahr 2019 brachte die ersten sichtbaren Schritte. Am 29. Juli wurde im Alten Rathaus ein Freundeskreis gegründet, der die Schau ehrenamtlich unterstützen sollte. Am 8. September übernahm der damalige Lindauer Oberbürgermeister beim Abschlussfest in Wassertrüdingen die Gartenschau-Fahne, begleitet vom Trommlerzug Lindau-Aeschach. Am Nachmittag des 9. September wehte sie auf der Insel. Bis zur Eröffnung waren es noch 619 Tage.
Am 17. Oktober 2019, 581 Tage vor der Eröffnung, folgte der erste Spatenstich an der Luitpoldwiese. Er fiel ungewöhnlich aus: Schüler bereiteten mit bunten Spaten einen kleinen Strand vor, auf den die Ehrengäste Schwimmring, Flossen und einen Liegestuhl stellten. Noch im selben Monat begannen die Arbeiten an Karlsbastion und Schützinger Weg, im November folgten Luitpoldpark und Uferstufen. Für die Uferstufen nutzten die Baufirmen bewusst den niedrigen Wasserstand des Bodensees im Spätherbst. Am 20. November 2019 führte die Gesellschaft erstmals öffentlich über die Baustelle.

Chronik 2020: Bauen im Zeitplan, trotz Pandemie
Im Frühjahr 2020 lief der Bau auf mehreren Abschnitten parallel. Im März begannen die Arbeiten am Sina-Kinkelin-Platz, im April war der Schützinger Weg wieder begehbar, und gleichzeitig starteten die Arbeiten am künftigen Bürgerpark. Dann kam die Pandemie. Als Überlingen und Ingolstadt im April 2020 ihre Landesgartenschauen auf 2021 verschoben, blieb Lindau bei seinem Termin. Im Mai 2020, genau ein Jahr vor der Eröffnung, pflanzte die Gesellschaft mit der inzwischen neu gewählten Oberbürgermeisterin symbolisch einen Baum.
Die Übersicht zeigt, wann die sechs Bereiche gebaut wurden und ab wann sie zugänglich waren:
| Bereich | Baubeginn | Fertigstellung | Zugänglich ab |
|---|---|---|---|
| Karlsbastion | Ende Oktober 2019 | Frühjahr 2020 | Mai 2021 |
| Schützinger Weg | Ende Oktober 2019 | April 2020 | Frühjahr 2020 |
| Luitpoldpark | November 2019 | Herbst 2020 | Mai 2021 |
| Uferstufen | November 2019 | Mai 2020 | Mai 2021 |
| Bürgerpark | April 2020 | Frühjahr 2021 | Mai 2021 |
| Sina-Kinkelin-Platz | März 2020 | Herbst 2020 | Herbst 2020 |
Schon am 12. Mai 2020 kamen 800 Rosen in die Beete des Luitpoldparks. Im Juni 2020 schwebte am Sina-Kinkelin-Platz der große Holzelefant per Autokran an seinen Platz. Er ist fünf Meter hoch, sieben Meter lang und besteht aus rund fünf Tonnen Robinienholz. Gebaut hat ihn die Firma Krambamboul, die Spielgeräte kosteten zusammen rund 400.000 Euro, und der Platz wurde der erste Spielplatz Lindaus mit einem eigenen Inklusionsbereich, den auch Kinder im Rollstuhl gut erreichen. Im August führte die Gesellschaft rund 50 Interessierte über die Baustellen. Am 10. Oktober 2020, 222 Tage vor der Eröffnung, begann der Vorverkauf der Dauerkarten. Im Herbst bauten Mitglieder von Lindau Move an ihrer Skateanlage, und im November kamen dreißig neue Bäume in den Bürgerpark.
Chronik 2021: Eröffnung, Verlängerung, Abschied
Noch im Dezember 2020 stand der Rohbau des Holzkiosks, im Januar 2021 begrüßten fünf Tafeln an den Ortseingängen die Gäste in der „Gartenschau-Stadt“. Eine Woche vor dem Start, nach den Eisheiligen, kamen rund 10.000 Sommerblumen in die Beete. Am Donnerstag, dem 20. Mai 2021, öffnete die Gartenschau um 14 Uhr mit 40 Ausstellern. Eine bayerische Staatsministerin eröffnete sie in Vertretung des Ministerpräsidenten, und die Festredner übergaben symbolisch Blumenschlüssel an Vertreter der Stadtgesellschaft. Der bayerische Umweltminister sprach in seiner Rede von sieben Millionen Euro, die in die Arbeiten für die Gartenschau geflossen seien. Wie der Tag verlief, beschreibt der Bericht zur Eröffnung am 20. Mai.
Der Sommer war wechselhaft. Schon über Pfingsten kamen rund 6.000 Besucher, und am 24. Juni wurde der 70.000. Gast begrüßt. Im Juni fiel die Entscheidung, die Schau bis zum 10. Oktober zu verlängern, nachzulesen im Beitrag über Konzerte und die längere Laufzeit. Am 29. Juni zog ein Sturm über das Gelände, brach Äste von den Bäumen und beschädigte die Gewächshäuser am Schützinger Weg, sodass die Schau am folgenden Tag erst um 12 Uhr öffnen konnte. Am 22. Juli kam das Abendticket. Zur Halbzeit Ende Juli standen 128.033 Besuche in der Bilanz, am 2. September wurde der 200.000. Besuch gezählt. Am 11. September ging die letzte Dauerkarte über den Tresen.
Am 10. Oktober 2021 endete die Schau mit einem Abschlussfest und 287.482 Besuchen. Am 16. Oktober verkaufte die Gesellschaft Sitzmöbel, Sonnenschirme und andere Ausstellungsstücke, ab dem 30. Oktober war der Uferweg wieder offen. Alle Kennzahlen stehen auf der Seite Zahlen und Bilanz.

Nach 2021: Bürgerentscheid und Auszeichnung
Die Geschichte endete nicht mit dem Rückbau. Das geplante Wohnquartier auf der Hinteren Insel, für das die Gartenschau als erster Schritt gedacht war, kam vor die Bürger. Beim Bürgerentscheid „Entwicklung Hintere Insel“ am 25. September 2022 stimmten 5.548 Abstimmende (74,5 Prozent) gegen eine Wohnbebauung der vier südlichen Baufelder östlich des Bürgerparks. Dafür waren 1.902. Das Ergebnis war bindend. Was das für die Flächen bedeutet, beschreibt die Seite zur Stadtentwicklung.
2025 folgte eine fachliche Anerkennung. Der Bürgerpark Lindau, geplant von Atelier Loidl, erhielt beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis eine Auszeichnung in der Kategorie „Bauen im Bestand / Historische Anlagen“. Damit wurde ausgerechnet der Teil prämiert, der auf dem alten Parkplatz entstanden war.
Spuren der Geschichte vor Ort
Wer die Chronik draußen nachvollziehen will, beginnt am besten an der Karlsbastion. Ihre Mauern stammen zum Teil aus dem 16. Jahrhundert, und auf der Schanze steht der Sockel des Maximiliansdenkmals, das früher am Seehafen zwischen dem Hotel Bayerischer Hof und dem Bahnhof stand. Die Königsstatue darauf wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, übrig blieb nur der Sockel.
Im Gelände selbst ließen die Planer bewusst Prellböcke, eine Wartungsgrube und Schienen im Boden liegen. Sie erinnern an die Zeit, als die Hintere Insel Bahngelände war. Während der Schau erzählte ein Audioguide von der Rotunde und den Lokschuppen, die einst hier standen. Heute muss man sie sich dazudenken.
Ein paar Schritte weiter zeigt der Schützinger Weg, wie behutsam die Planer mit dem Bestand umgingen. Die Kolchischen Ahornbäume und die Kastanien blieben stehen, der Weg wurde verbreitert und führt heute als Teil des Inselrundwegs bis zur Thierschbrücke. Wer hier entlanggeht, läuft genau über die Linie, an der sich die Geschichte der Gartenschau Lindau zwischen Bahngelände, Baustelle und Park am deutlichsten ablesen lässt. Einen Überblick über die gesamte Schau bietet die Seite zur Gartenschau Lindau 2021.
Häufige Fragen
Wann begann die Geschichte der Gartenschau Lindau?
Sichtbar wurde sie am 8. September 2019, als Lindau beim Abschlussfest in Wassertrüdingen die Gartenschau-Fahne übernahm. Am Tag darauf wurde die Fahne auf der Insel gehisst. Bereits am 29. Juli 2019 war im Alten Rathaus ein Freundeskreis gegründet worden. Der erste Spatenstich folgte am 17. Oktober 2019, die Bauarbeiten begannen noch im selben Monat.
Warum fand die Gartenschau Lindau trotz Corona 2021 statt?
Im April 2020 verschoben Überlingen und Ingolstadt ihre Landesgartenschauen um ein Jahr. Lindau blieb bei 2021. Die Geschäftsführung begründete das mit den Fördergeldern: Die gebauten Teile hätten bis zur Schau ohnehin geschlossen bleiben müssen, sonst drohten steuerliche Folgen. Außerdem wollte man die Hintere Insel den Lindauern zurückgeben. Zur Eröffnung galten Registrierung und Testpflicht.
Wann wurde die Gartenschau verlängert?
Im Juni 2021 stimmten zuerst die Partner und schließlich der Aufsichtsrat zu, die Schau über den 26. September hinaus bis zum 10. Oktober 2021 offen zu halten. Zugleich blieben die Kassen fortan bis 19 Uhr geöffnet. Die Verlängerung ging auf Anregungen aus dem Publikum zurück und brachte die Saison auf 144 Tage.
Seit wann gibt es Gartenschauen in Bayern?
Die erste Bayerische Landesgartenschau fand 1980 in Neu-Ulm statt. Angestoßen hatten sie die Verbände der Gärtner, der Garten- und Landschaftsbauer und der Baumschulen. Die Idee: Gärtnerische Attraktionen sollen Infrastruktur anstoßen, die einer Stadt auf Jahre nützt. Ab 1995 kamen die kleineren Regionalgartenschauen „Natur in …“ hinzu, deren letzte 2021 Lindau war.
Was geschah nach dem Ende der Gartenschau?
Der Rückbau begann direkt nach dem 10. Oktober 2021. Am 16. Oktober wurde Inventar verkauft, ab dem 30. Oktober war der Uferweg von der Eilguthalle bis zur Thierschbrücke wieder offen. Im September 2022 lehnten die Lindauer in einem Bürgerentscheid Wohnungen auf vier Baufeldern östlich des Bürgerparks ab, 2025 wurde der Bürgerpark beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis ausgezeichnet.
Welche Stationen der Chronik lassen sich heute noch besichtigen?
Am besten die gebauten: die sanierte Karlsbastion mit Rampe und dem Sockel des Maximiliansdenkmals, die Schützinger Promenade mit ihren alten Kastanien und Ahornbäumen, den Luitpoldpark, den Bürgerpark mit den Uferstufen und den Spielplatz am Sina-Kinkelin-Platz. Auf der Hinteren Insel sind außerdem Spuren der Bahngeschichte wie Prellböcke und Schienen im Boden erhalten geblieben.
Quellen
- Bayerisches Umweltministerium: Regionalgartenschauen „Natur in …“
- Wikipedia: Liste der Landesgartenschauen in Bayern
- Wikipedia: Bahnhof Lindau-Reutin
- Stadt Lindau: Ergebnis des Bürgerentscheids Entwicklung Hintere Insel
- Stadt Lindau: Bürgerpark erhält Auszeichnung des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises 2025
Stand der Angaben: September 2026.