Lindau 2021 Gartenschau · Insel · See
Westallgäu, Scheidegg

Scheidegger Wasserfälle: Ausflug in die Rohrachschlucht, Station 2021

Zwei Felsstufen, 22 und 18 Meter hoch, dazu ein Tobel, der zum größten Naturschutzgebiet im Landkreis Lindau gehört: Die Wasserfälle bei Scheidegg liegen rund 20 Autominuten von Lindau entfernt. Im Sommer 2021 waren sie einer der drei Außenstandorte der Gartenschau im Westallgäu und bekamen dafür neue Pfade, Stationen und ein Infoterminal.

Der obere der Scheidegger Wasserfälle im Wald
Ausflugab Lindau (Bodensee)
Region Westallgäu · Bodensee
Oberer Scheidegger Wasserfall · Foto: RokerHRO, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die Scheidegger Wasserfälle in Zahlen

Ein Ausflug zu den Scheidegger Wasserfällen beginnt meist mit einem Geräusch. Noch bevor der Weg den Blick auf die erste Stufe freigibt, ist der Rickenbach zu hören, der sich nordwestlich von Scheidegg über zwei Felskanten wirft. Die obere Stufe misst 22 Meter, die untere 18 Meter. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) spricht von insgesamt 40 Metern Fallhöhe, die Wikipedia beschreibt zusätzlich eine kleinere dritte Stufe im Bachlauf.

Der Bach selbst entsteht erst kurz vor den Fällen. Unterhalb des Besucherparkplatzes an der Fürstenmühle fließen Riedbach und Scheibenbach zusammen und heißen von da an Rickenbach. Die Staatsgrenze zu Österreich verläuft nur etwa anderthalb Kilometer westlich der Fälle. Scheidegg selbst liegt auf 804 Metern Höhe und trägt die Prädikate heilklimatischer Kurort und Kneippkurort.

Im Jahr 2004 nahm das LfU die Fälle in seine Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns auf. Dort laufen sie unter der Nummer 24.

Nagelfluh, Sandstein, Mergel: warum der Bach hier springt

Wer an der Absturzkante steht, sieht die Erklärung im Fels. Die Wände gehören zur Oberen Süßwassermolasse, einer Gesteinsfolge, die im Miozän vor 17 bis 15 Millionen Jahren im Alpenvorland abgelagert wurde. Flüsse aus den damals aufsteigenden Alpen schütteten Geröll, Sand und Schlamm in das Vorland. Aus dem Geröll wurde Nagelfluh, ein Konglomerat aus runden Steinen, die das LfU als „zusammengekittet durch eine mörtelähnliche Masse“ beschreibt. Aus Sand und Schlamm wurden Sandstein und Mergel.

Diese Schichten sind unterschiedlich hart. Nagelfluh und feste Sandsteinbänke halten dem Wasser lange stand, der Mergel darunter bröckelt schneller. So höhlt der Bach unter jeder harten Bank eine Nische aus, bis die Kante überhängt und irgendwann abbricht. Die Stufe wandert dabei langsam bachaufwärts. Am Fuß der Fälle haben sich Becken gebildet, die Gumpen, in denen das Wasser nach dem Aufprall kreist.

Die Rohrachschlucht als Naturschutzgebiet

Unterhalb der Fälle öffnet sich die Rohrachschlucht. Der Rickenbach heißt im weiteren Verlauf Rohrach und bildet dort die Grenze zu Vorarlberg, bis er Richtung Bodensee abfließt. Seit 1992 steht die Schlucht unter Naturschutz. Mit rund 170 Hektar ist sie das größte der zehn Naturschutzgebiete im Landkreis Lindau (Bodensee); zum Vergleich folgen das Degermoos mit knapp 72 und der Eistobel mit gut 70 Hektar.

Der Tobel ist an manchen Stellen bis zu 200 Meter tief eingeschnitten. An seinen oberen Hängen stehen Mischwälder aus Buche und Tanne, weiter unten wachsen Esche, Grauerle und Ahorn. Dazwischen liegen Quellaustritte, Nass- und Streuwiesen und offene Felspartien. Für Besucher gilt eine einfache Regel: Im Schutzgebiet sind nur die ausgewiesenen Wege erlaubt, und das LfU weist ausdrücklich darauf hin. Das ist keine Formalie, denn die Quellfluren am Hang vertragen keine Trampelpfade.

Ein Teil der Schlucht hat einen zweiten Schutzstatus. 2018 wies der Freistaat hier das erste Naturwaldreservat aus, das einem Naturschutzverband gehört, dem BUND Naturschutz. Später kam eine Erweiterung hinzu, und auf der Vorarlberger Seite schließt ein weiteres Naturwaldreservat an, sodass der Wald über die Grenze hinweg ohne Bewirtschaftung bleibt. Die Regierung von Schwaben nennt als Besonderheiten sieben Spechtarten, Vorkommen des Frauenschuhs und einen hohen Anteil an Totholz. Mit den Wasserfällen hat das auf den ersten Blick wenig zu tun, erklärt aber, warum der Tobel unterhalb der Fälle so wild aussieht: Umgestürzte Stämme bleiben dort liegen, wo sie fallen.

Wasserfall mit Felskessel an den Scheidegger Wasserfällen
Scheidegger Wasserfall mit Kessel · Foto: Fpank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Außenstandort der Gartenschau 2021 im Westallgäu

Die Gartenschau Lindau 2021 fand auf der Hinteren Insel statt, reichte aber mit dem Programm „Die Region macht mit“ weit ins Umland. Im Westallgäu übernahmen drei Orte diese Rolle: die Wasserfälle bei Scheidegg, die Hausbachklamm in Weiler und die Versuchsstation für Obstbau in Schlachters. Die Übersicht aller Ausflugsziele rund um Lindau zeigt, welche weiteren Orte am Festland und auf der Insel dazugehörten.

Für die drei Allgäuer Standorte lief ein gemeinsames Förderprojekt über das EU-Programm LEADER, getragen von der Lokalen Aktionsgruppe Regionalentwicklung Westallgäu-Bayerischer Bodensee. Die Gesamtkosten lagen bei 226.837,80 Euro brutto, davon wurden 72.288,11 Euro gefördert. In Scheidegg entstanden damit ein Geo-Erlebnispfad, Landart-Kunstobjekte, eine Illumination der Klangwelt und ein touristisches Infoterminal. Dazu kamen Theater- und Detektivspiele und geführtes Wasserkneippen, was in einem Kneippkurort nahe liegt. Eine Schnitzeljagd mit Geocaching-Elementen verband die drei Orte, sodass sich während der Gartenschau 2021 ein ganzer Ausflug durch das Westallgäu daraus machen ließ.

Die Gartenschau endete am 10. Oktober 2021. Der Pfad an den Fällen blieb.

Anders als eine Blumenschau, die nach einem Sommer abgeräumt wird, war das Geld hier für Wege und Stationen gedacht, die über 2021 hinaus bleiben. Wer die Scheidegger Wasserfälle heute besucht, läuft deshalb zum Teil über Pfade und an Stationen vorbei, die für die Gartenschau geplant und mit Fördergeld gebaut wurden.

Rundweg, Geo-Erlebnispfad und Wasserspielplatz

Heute betreibt der Markt Scheidegg den Geo-Erlebnispfad als festen Teil des Rundwegs. Er hat sieben Stationen, von Geomodellen und einem Klassenzimmer im Freien über „Baumeister Bach“ bis zu den Stationen „Hardrock“ für die Nagelfluh und „Kuschelrock“ für den Mergel. Am Ende steht eine Forscherhütte. An mehreren Punkten lassen sich per Smartphone Inhalte mit erweiterter Realität einblenden, die die Schichten im Fels erklären.

Älter ist der Wasserspielplatz, der 2007 eröffnet wurde. Kinder können dort mit einem hydraulischen Widder und einer archimedischen Schraube ausprobieren, wie sich mit Wasserkraft Wasser heben lässt. Dazu kommen ein Märchenpfad mit Hörstationen, Toiletten und ein Kiosk mit Eis. Die Stege und Aussichtsplattformen führen an beide großen Stufen heran; der Abstieg in den unteren Bereich verlangt Trittsicherheit und etwas Kondition, weil es über viele Stufen nach unten geht und auf demselben Weg wieder hinauf.

Ein Hinweis aus der Praxis: Nach mehreren Regentagen sind die Fälle am eindrucksvollsten, die Stufen aber auch am glattesten. Und bei Starkregen bleibt die Anlage ganz zu.

Weg mit Geländer entlang der Schlucht an den Scheidegger Wasserfällen
Scheidegger Wasserfälle · Foto: 1971markus, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ausflug ab Lindau: Öffnungszeiten, Eintritt, Anreise

Die Scheidegger Wasserfälle haben von April bis Oktober geöffnet, täglich von 9 bis 19 Uhr, letzter Einlass 18 Uhr (Stand 09/2026). Bei starken Niederschlägen, Sturm oder Glätte schließt der Markt Scheidegg das Gelände; im Winter ist es gesperrt. Der Eintritt beträgt laut dem Tourismusportal der Stadt Lindau 5,00 Euro für Erwachsene und 3,50 Euro für Kinder von 5 bis 13 Jahren, mit Echt Bodensee Card 3,50 beziehungsweise 2,00 Euro (Stand 09/2026).

Von der Insel aus ist die Strecke kurz. Über die A 96 geht es bis zur Anschlussstelle 3 Sigmarszell, dann auf der B 308, der Deutschen Alpenstraße, bergauf Richtung Scheidegg. Die Fälle liegen etwa zweieinhalb Kilometer vor dem Ort. Die Stadt Lindau rechnet mit rund 20 Minuten Fahrzeit. Wer vorher noch durch die Altstadt gehen möchte, findet im Lindau-Reiseführer für die Insel Hinweise zu Hafen, Mangturm und Parkplätzen. Für die Fahrt mit dem Bus empfiehlt sich vorab ein Blick in den aktuellen Fahrplan.

Skywalk und Alpenfreibad: was in Scheidegg noch lohnt

Wer nach den Wasserfällen noch Zeit hat, fährt ein paar Kilometer weiter nach Oberschwenden. Dort steht die Waldwelt Skywalk Allgäu mit einem 540 Meter langen Baumwipfelpfad, der seit 2010 durch einen Wald aus überwiegend Weißtannen führt. Das Gelände liegt auf etwa 1.000 Metern Höhe und umfasst rund 60.000 Quadratmeter. Ein gläserner Aufzug im Aussichtsturm macht den Pfad auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl zugänglich. Im Sommer ist die Waldwelt von 10 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass 17 Uhr (Stand 09/2026).

Das dritte Ziel im Ort ist das Alpenfreibad Scheidegg. Es wird mit Quellwasser gespeist und liegt so auf der Hochfläche, dass der Blick über das Dreiländereck bis zu den Allgäuer Alpen reicht. An heißen Tagen lässt sich der Vormittag an den Scheidegger Wasserfällen und der Nachmittag im Bad verbringen; von Lindau aus bleibt die Rückfahrt trotzdem kurz. Wer den Tag als Rundtour plant, kann auf dem Rückweg in Schlachters oder Weiler haltmachen, den beiden anderen Außenstandorten von 2021.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Wann haben die Scheidegger Wasserfälle geöffnet?

Die Anlage öffnet nach Angaben des Markts Scheidegg von April bis Oktober, täglich von 9 bis 19 Uhr; der letzte Einlass ist um 18 Uhr (Stand 09/2026). Bei starkem Regen, Sturm oder Glätte bleibt sie geschlossen, weil Stege und Stufen dann gefährlich werden. Im Winter ist der Weg zu den Fällen gesperrt. Vor der Fahrt lohnt ein Blick auf die Seite der Gemeinde, wenn das Wetter unsicher ist.

Was kostet der Eintritt zu den Scheidegger Wasserfällen?

Laut Tourismusportal der Stadt Lindau zahlen Erwachsene 5,00 Euro, Kinder von 5 bis 13 Jahren 3,50 Euro (Stand 09/2026). Mit der Echt Bodensee Card sinkt der Preis auf 3,50 Euro für Erwachsene und 2,00 Euro für Kinder. Kinder unter fünf Jahren sind in dieser Preisliste nicht aufgeführt; im Zweifel an der Kasse nachfragen.

Wie hoch sind die Wasserfälle?

Der Rickenbach fällt über zwei große Stufen von 22 und 18 Metern, zusammen also rund 40 Meter. Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt insgesamt 40 Meter über zwei Stufen, die Wikipedia führt zusätzlich eine kleinere dritte Felsstufe. Die Stufen bestehen aus harten Nagelfluh- und Sandsteinbänken, unter denen weicherer Mergel schneller abgetragen wird. So entstehen die Überhänge und Becken am Fuß der Fälle.

Welche Rolle spielte Scheidegg bei der Gartenschau 2021?

Scheidegg war 2021 neben Weiler-Simmerberg und Sigmarszell-Schlachters einer von drei Außenstandorten im Westallgäu. Über ein LEADER-Projekt entstanden an den Wasserfällen ein Geo-Erlebnispfad, Landart-Objekte, ein touristisches Infoterminal und ein Programm mit geführtem Wasserkneippen, Theater- und Detektivspielen. Eine Schnitzeljagd verband die drei Orte. Der Geo-Erlebnispfad ist bis heute Teil des Rundwegs.

Sind die Scheidegger Wasserfälle für Kinder geeignet?

Ja, mit etwas Aufsicht. Es gibt einen Wasserspielplatz aus dem Jahr 2007 mit hydraulischem Widder und archimedischer Schraube, einen Märchenpfad mit Hörstationen und den Geo-Erlebnispfad mit sieben Stationen. Der Abstieg in den Tobel führt über viele Stufen und ist mit Kinderwagen mühsam. Festes Schuhwerk hilft, weil Stege und Steine nach Regen rutschig sind.

Wie kommt man von Lindau zu den Wasserfällen?

Mit dem Auto über die A 96 bis zur Anschlussstelle Sigmarszell, dann auf der B 308 Richtung Scheidegg. Die Wasserfälle liegen etwa zweieinhalb Kilometer vor dem Ort, der Besucherparkplatz befindet sich an der Fürstenmühle. Die Fahrt dauert nach Angaben der Stadt Lindau rund 20 Minuten. Wer mit dem Bus fahren will, sollte die aktuelle Verbindung vorab im Fahrplan prüfen.