Weiler im Allgäu: Ausflug durch die Hausbachklamm, Außenstandort 2021
Hinter dem Pfarrhaus von Weiler beginnt eine der bekanntesten Schluchten des Westallgäus. Der Hausbach hat sich dort in Sandstein und Nagelfluh gegraben, Wege führen vom Ortskern bis hinauf nach Schnellers. Im Sommer 2021 war die Hausbachklamm einer der drei Allgäuer Außenstandorte der Gartenschau Lindau und bekam Wassergärten, Erlebnisplätze und einen Infopavillon.

Region Westallgäu · Bodensee
Vom Ortskern in die Klamm
Der Weg in die Hausbachklamm beginnt ohne Anlauf mitten in Weiler im Allgäu. An den kostenlosen Parkplätzen im Ortskern stellt man das Auto ab, und steht hinter dem Pfarrhaus bereits am Einstieg. Von dort folgt der Weg dem Hausbach aus dem Ort hinaus, zunächst im noch offenen Tal, bis die Hänge enger werden und der Wald beginnt.
Genau dieser Übergang war der Grund, warum die Klamm 2021 zum Außenstandort der Gartenschau wurde. Zu Fuß sind es nur etwa 30 Minuten vom Ortskern bis in die Schlucht, und wer mit Kindern unterwegs ist, kann an jeder Stelle umdrehen. Der Übergang vom Kultur- zum Naturraum ist hier wörtlich zu nehmen. Ein Ausflug hierher lässt sich also auf eine Stunde oder auf einen ganzen Tag auslegen.
Der Hausbach: fünf Kilometer, 350 Meter Gefälle
Der Bach ist erstaunlich kurz. Nach Angaben des Markts Weiler-Simmerberg ist der Hausbach nicht viel länger als fünf Kilometer und überwindet dabei rund 350 Höhenmeter, was einem durchschnittlichen Gefälle von sieben Prozent entspricht. Das erklärt die Kraft, mit der er sich in den Untergrund gegraben hat. Er fließt nach Nordwesten und mündet in Weiler in die Rothach.
Das Gestein ist dasselbe wie an vielen Tobeln im Westallgäu: Sandstein und Nagelfluh, Ablagerungen aus der Zeit, als Flüsse den Schutt der jungen Alpen ins Vorland trugen. Der weichere Sandstein wird schneller ausgewaschen als die harten Konglomeratbänke. So entstehen Stufen, kleine Wasserfälle, tiefe Becken und Strudellöcher, in denen das Wasser Steine im Kreis dreht und den Fels weiter aushöhlt. Die Gemeinde beschreibt die Klamm als tief eingeschnitten mit steilen Wänden. Die schattigen Steilufer machen den Weg auch im Hochsommer gut begehbar, und auf den Wirbeln und Schnellen spielt das Licht, das durch die Bäume fällt.
Wegzeiten und Etappen bis Schnellers
Die Gemeinde gibt für die einzelnen Abschnitte recht genaue Zeiten an:
- vom Ortskern bis in die Klamm etwa 30 Minuten
- bis zum Grillplatz rund 60 Minuten
- bis Schnellers mit dem Abenteuerspielplatz und seiner Seilrutsche anderthalb bis zwei Stunden
Die ganze Strecke ist Teil der Westallgäuer Wasserwege, eines Netzes aus 28 Touren zwischen kurzen Spaziergängen und Tageswanderungen. Die Hausbachklamm gehört zur Tour Nummer 9 von Weiler nach Schnellers, die als mittelschwer gilt und drei bis vier Stunden dauert. Wer weiter will, kann an Tour Nummer 10 anschließen, die Richtung Wildrosenmoos führt, einem Hochmoor an der Grenze zu Vorarlberg.
Die Wasserwege sind ihrerseits Teil eines größeren Netzes. Die Wandertrilogie Allgäu verbindet auf 876 Kilometern und 54 Etappen das ganze Allgäu, aufgeteilt in drei Routen: den Wiesengänger im Hügelland, den Wasserläufer im wasserreichen Voralpenland und den Himmelsstürmer in den Bergen. Weiler-Simmerberg ist Etappenort im Abschnitt „Wasser-Reiche“. Eine Etappe kommt von Oberreute über den Grenzerpfad und durch die Hausbachklamm hinunter nach Weiler, eine andere startet in Scheidegg, führt am Skywalk vorbei und über Rothachtal und Krähenberg in den Ort. Wer also mehrere Tage im Westallgäu wandern will, erreicht Weiler im Allgäu fast zwangsläufig über eine Klamm oder einen Tobel.
Wer bis Schnellers geht, sollte den Rückweg nach Weiler gleich mit einplanen. Mit Kindern ist der Grillplatz nach einer Stunde oft das realistischere Ziel.

Räuber-Kasimir-Weg für Kinder
Für Familien hat Weiler einen eigenen Pfad angelegt. Der Räuber-Kasimir-Weg ist etwa zwei Kilometer lang und beginnt ebenfalls hinter dem Pfarrhaus am Einstieg der Hausbachklamm. Auf zehn Stationen warten ein Wasserspielplatz als zweite Station, Kugelbahnen, eine Rutsche von rund zehn Metern Länge am Schanzenbuckel, ein Tipi-Zelt und ein Spielplatz. Am Ende gibt es ein Räuberdiplom und einen kleinen Schatz.
Ein wichtiger Hinweis steht auf der Seite der Gemeinde: Der Weg ist nicht kinderwagentauglich. Die Kinder laufen also selbst oder werden getragen.
Außenstandort der Gartenschau 2021
Die Gartenschau Lindau 2021 wollte zeigen, dass ihr Motto „Gartenstrand – vom Berg zum See“ nicht an der Uferlinie der Insel endet. Im Westallgäu übernahmen drei Orte die Rolle der Außenstandorte: die Hausbachklamm in Weiler, die Scheidegger Wasserfälle und die Versuchsstation für Obstbau in Schlachters. Die Ausstattung aller drei lief über ein gemeinsames LEADER-Projekt der Lokalen Aktionsgruppe Regionalentwicklung Westallgäu-Bayerischer Bodensee, das von 2019 bis 2021 dauerte.
In Weiler entstanden damit Erlebnisplätze, ein Infopavillon und Wassergärten, die sich jeweils einem Thema widmeten: der Pflanzenwelt, der Tierwelt und der Geologie der Klamm. Dazu kamen Bereiche für naturnahes Spielen und Lernen und Aufenthaltsplätze direkt am Bach. Als Anlaufpunkt diente ein Willkommensplatz an der Lourdes-Kapelle. Dort informierten Tafeln über die Gartenschau, über die anderen Außenstandorte und über das Geocaching, mit dem die drei Orte verbunden waren. Am Wasser selbst war das Spielen ausdrücklich erwünscht, und das ist bis heute so geblieben.
Am Willkommensplatz ging es 2021 zuerst um die formenden Kräfte des Wassers, also um genau das, was die Klamm über Jahrmillionen geschaffen hat. Der Gedanke ist einfach und überzeugend: Wer am Bachrand einen Damm aus Kieseln baut und zusieht, wie das Wasser ihn wegspült, versteht Erosion schneller als durch jede Schautafel. Wie viel von den einzelnen Wassergärten heute noch steht, beschreibt die Gemeinde auf ihren Seiten nicht. Fester Teil des heutigen Angebots ist aber der Wasserspielplatz am Räuber-Kasimir-Weg, und die Wege durch die Klamm, auf die sich die Gartenschau 2021 stützte, sind dieselben geblieben, auf denen heute die Wasserwege-Touren verlaufen. Für einen Ausflug mit Kindern ist das die wichtigere Nachricht.
Nicht alles Sehenswerte liegt direkt am Bach. Die Wikipedia nennt neben der Klamm den Enschenstein als geologische Besonderheit der Gemeinde, eine Felsformation aus demselben Sandstein, an der Wanderer auf einer Runde oberhalb der Klamm vorbeikommen.

Weiler, Simmerberg und das Kornhaus
Nach der Klamm lohnt ein Gang durch den Ort. Weiler im Allgäu bildet seit 1968 zusammen mit Simmerberg den Markt Weiler-Simmerberg; 1972 kam Ellhofen dazu, heute gehören neben den beiden Hauptorten 37 weitere Gemeindeteile zur Gemeinde. Weiler liegt auf etwa 632 Metern Höhe, das Gemeindegebiet grenzt an den Bregenzerwald in Vorarlberg. Der tiefste Punkt liegt mit rund 557 Metern an der Rothach, der höchste mit 906 Metern am Unterberg; zwischen beiden liegen also fast 350 Meter, ungefähr so viel, wie der Hausbach auf seinen fünf Kilometern überwindet.
Das bekannteste Gebäude ist das Kornhaus. Es wurde 1791 als Kornspeicher gebaut, um die Bürger in Zeiten knapper Ernten mit Getreide zu versorgen, und beherbergt heute ein Museum. Dazu kommt das Westallgäuer Heimatmuseum. Wirtschaftlich hing der Ort lange an der Bahnstrecke von Röthenbach nach Weiler, die ihn vor dem Ersten Weltkrieg an den Verkehr anschloss. Von Weiler aus sieht man bei klarem Wetter die Nagelfluhkette mit dem Hochgrat, eine Bergkette, die nach demselben Gestein benannt ist, das auch in der Klamm zu sehen ist.
Ausflug ab Lindau: Anreise nach Weiler im Allgäu
Weiler liegt an der Deutschen Alpenstraße, der B 308, zwischen Lindau und Oberstaufen. Mit dem Auto geht es von der Lindauer Insel über die A 96 bis zur Anschlussstelle Sigmarszell und dann auf der B 308 über Scheidegg weiter ins Allgäu. Unterwegs lassen sich die beiden anderen Außenstandorte von 2021 mitnehmen, was aus der Fahrt eine kleine Rundtour macht; die Übersicht aller Ausflugsziele rund um Lindau listet sie mit den übrigen Orten.
Ohne Auto nennt die Gemeinde die Bahnhöfe Röthenbach (Allgäu), Oberstaufen und Lindau als Ausgangspunkte; von allen drei Bahnhöfen fahren Busse nach Weiler (Stand 09/2026; Fahrpläne können sich ändern). Wer den Tag danach am See ausklingen lassen möchte, findet im Lindau-Reiseführer Hinweise zu Hafen, Altstadt und Parkplätzen auf der Insel. Für die Klamm selbst gilt: Feste Schuhe einpacken. Nach Regen sind Wurzeln und Stufen rutschig, und an manchen Stellen fällt der Hang neben dem Weg steil ab.
Häufige Fragen
Wo beginnt die Hausbachklamm in Weiler im Allgäu?
Direkt im Ortskern. Nach Angaben des Markts Weiler-Simmerberg gibt es dort kostenlose Parkplätze, von denen aus die Wanderung startet. Der Einstieg in die Klamm liegt hinter dem Pfarrhaus, dort beginnt auch der Räuber-Kasimir-Weg für Kinder. Bis zur eigentlichen Klamm sind es etwa 30 Minuten zu Fuß, der Weg ist also auch für einen kurzen Nachmittag geeignet.
Wie lange dauert die Wanderung durch die Hausbachklamm?
Das hängt vom Ziel ab. Vom Ortskern in Weiler im Allgäu erreicht man die Klamm in etwa 30 Minuten, den Grillplatz in rund einer Stunde und Schnellers mit dem Abenteuerspielplatz in anderthalb bis zwei Stunden. Die komplette Tour Nummer 9 der Westallgäuer Wasserwege von Weiler nach Schnellers ist als mittelschwer eingestuft und dauert drei bis vier Stunden.
Ist die Hausbachklamm für Kinder und Kinderwagen geeignet?
Für Kinder ja, für Kinderwagen nur eingeschränkt. Der rund zwei Kilometer lange Räuber-Kasimir-Weg hat zehn Stationen mit Wasserspielplatz, Kugelbahnen, Tipi und einer etwa zehn Meter langen Rutsche am Schanzenbuckel. Die Gemeinde weist aber ausdrücklich darauf hin, dass dieser Weg nicht kinderwagentauglich ist. Für Kleinkinder ist eine Trage die bessere Wahl.
Was hat die Gartenschau 2021 in Weiler hinterlassen?
Über ein gemeinsames LEADER-Projekt der drei Allgäuer Außenstandorte entstanden an der Hausbachklamm Erlebnisplätze, ein Infopavillon, Wassergärten zu Flora, Fauna und Geologie, Bereiche für naturnahes Spielen und Lernen sowie Aufenthaltsplätze am Bach. Zentraler Anlaufpunkt war ein Willkommensplatz an der Lourdes-Kapelle mit Informationen zur Gartenschau, zu den anderen Außenstandorten und zum Geocaching.
Wie kommt man von Lindau nach Weiler im Allgäu?
Mit dem Auto über die B 308, die Deutsche Alpenstraße, die von der Anschlussstelle Sigmarszell an der A 96 über Scheidegg ins Allgäu führt. Ohne Auto nennt die Gemeinde die Bahnhöfe Röthenbach (Allgäu), Oberstaufen und Lindau als Ausgangspunkte, von allen dreien fahren Busse nach Weiler. Den aktuellen Fahrplan sollte man vor der Fahrt prüfen.
Gehören Weiler und Simmerberg zusammen?
Ja. Weiler im Allgäu und Simmerberg bilden seit dem Zusammenschluss 1968 den Markt Weiler-Simmerberg im Landkreis Lindau (Bodensee); 1972 kam Ellhofen hinzu. Neben den beiden Hauptorten gehören 37 weitere Gemeindeteile dazu. Der Hauptort liegt auf etwa 632 Metern Höhe, die Gemeinde grenzt an den Bregenzerwald in Vorarlberg.
Quellen
- Markt Weiler-Simmerberg: Hausbachklamm
- Markt Weiler-Simmerberg: Räuber Kasimir Weg
- Markt Weiler-Simmerberg: Westallgäuer Wasserwege
- Markt Weiler-Simmerberg: Anreise
- Wirtschafts- und Arbeitsmarktförderung (WBF): Satellitenstandorte zur Lindauer Gartenschau 2021
- Markt Weiler-Simmerberg: Wandertrilogie Allgäu
- Wikipedia: Weiler-Simmerberg
- Wikipedia: Bundesstraße 308
Stand der Angaben: September 2026.