Nachhaltig bauen für die Gartenschau Lindau: Recycling am Parkplatz
Mitte Mai 2020 lief auf der Baustelle der Gartenschau Lindau eine Maschine, die mit Blumen nichts zu tun hat. Ein Brecher zerkleinerte den Asphalt und Beton des alten Parkplatzes auf der Hinteren Insel, damit er gleich vor Ort wieder eingebaut werden konnte. Eine kleine Meldung, die viel über das ganze Projekt verrät.
Meldung vom Redaktionell überarbeitet:

Ein Brecher auf dem Parkplatz
Mitte Mai 2020 begann auf der Baustelle der Gartenschau Lindau eine Arbeit, die kaum jemand mit Gärten verbindet. Ein Brecher der Bauunternehmung Max Wild zerkleinerte Abbruchmaterial direkt auf dem Gelände. Es handelte sich um rund 1.300 Kubikmeter Asphalt und Beton aus dem Rückbau des großen Parkplatzes auf der Hinteren Insel. Statt auf eine Deponie gefahren zu werden, blieb das Material vor Ort. Zerkleinert diente es als Füllmaterial und als Tragschicht beim Bau der neuen Wege.
Doppelt gespart
Der Nutzen lag auf zwei Seiten. Zum einen brauchte die Baustelle weniger Kies, der sonst hätte gekauft und angeliefert werden müssen. Zum anderen fielen keine Kosten für den Abtransport des Schutts an. Auf einer Insel, die nur über wenige Zufahrten mit dem Festland verbunden ist, heißt das auch: weniger Lastwagen, weniger Lärm, weniger Staub in der Stadt. Die Gartenschaugesellschaft gab damals an, gemeinsam mit den beteiligten Firmen gezielt nach solchen Lösungen zu suchen, um umweltfreundlich zu arbeiten. Für ein Projekt, das Grün an die Stelle von Asphalt setzen wollte, war das ein folgerichtiger Anfang, denn der erste Baustoff des neuen Parks war der alte Parkplatz selbst.
Wenige Tage später meldete die Gesellschaft, dass die Arbeiten trotz der ersten Pandemiewelle im Zeitplan lagen. Die Uferstufen waren fast fertig, am Schützinger Weg standen die ersten Bänke. Den Stand der Baustelle im Frühjahr 2020 beschreibt der Eintrag Gartenschau 2021 liegt im Plan.
Vom Parkplatz zum Park
Die Szene mit dem Brecher sagt viel über das Projekt insgesamt. Die Hintere Insel war vor der Gartenschau über weite Strecken eine Asphaltfläche. Möglich wurde der Umbau durch die sogenannte Zwei-Bahnhofs-Lösung: Seit Dezember 2020 halten die Fernzüge im neuen Bahnhof Lindau-Reutin auf dem Festland, der Inselbahnhof bleibt dem Regionalverkehr vorbehalten, und bis dahin gebundene Flächen wurden frei. Die eigentlichen Bauarbeiten hatten mit dem ersten Spatenstich am 17. Oktober 2019 begonnen. Wo zuvor Autos standen, entstand der Bürgerpark mit mehr als 9.000 Quadratmetern Freifläche. Dass ausgerechnet der Belag des alten Parkplatzes unter den neuen Wegen liegt, ist ein hübsches Detail dieser Umwandlung.

Bestand erhalten statt ersetzen
Ein ähnlicher Gedanke bestimmte den Umgang mit dem, was auf der Hinteren Insel schon vorhanden war. An der Schützinger Promenade blieben die seltenen kolchischen Ahornbäume und die mächtigen Kastanien stehen. Neue Bäume ergänzten die Reihe nur, darunter 25 Kirsch- und Ahornbäume, die im Frühjahr mit großen Erdballen in vorbereitete Pflanzgruben gesetzt wurden und Insekten und Vögeln zusätzlichen Lebensraum bieten sollten. Auch die Spuren der Eisenbahn verschwanden nicht. Prellböcke, eine Wartungsgrube und Schienen im Boden blieben bewusst sichtbar, als Erinnerung daran, dass dieser Teil der Insel über Generationen den Eisenbahnern gehörte.
Nachhaltigkeit bis zum letzten Tag
Das Recycling beim Wegebau blieb kein Einzelfall. Ausgediente Werbebanner aus Mesh-Gewebe ließ die Gesellschaft in einer Nähwerkstatt der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren, in der Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf arbeiten, zu Badetaschen und Kulturbeuteln verarbeiten, die im Gartenmarkt verkauft wurden. Nach dem Ende der Schau kamen Stühle, Liegestühle, Sonnenschirme, Pflanztröge und Obstkisten am 16. Oktober 2021 bei einem Abverkauf im Bürgerpark unter die Leute, statt eingelagert oder entsorgt zu werden. Auch das Programm griff das Thema auf, etwa mit dem digitalen Reiseführer Fairführer, der nachhaltige Angebote rund um den Bodensee sichtbar machte.
Was geblieben ist
Die dauerhaften Anlagen tragen den Ansatz weiter. Die Kiesfläche vor den Uferstufen wertet das Ufer ökologisch auf. Wie gut das gelang, bestätigte 2025 die Jury des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises: Sie zeichnete den Bürgerpark, geplant vom Berliner Büro Atelier Loidl, in der Kategorie „Bauen im Bestand / Historische Anlagen“ aus. Wie die Planung des Areals weiterging und was der Bürgerentscheid vom September 2022 änderte, beschreibt die Seite Stadtentwicklung auf der Hinteren Insel. Den Zeitplan der Bauabschnitte von 2019 bis 2021 hält die Chronik der Gartenschau fest.
Häufige Fragen
Was geschah mit dem Asphalt des alten Parkplatzes auf der Hinteren Insel?
Rund 1.300 Kubikmeter Asphalt und Beton aus dem Rückbau des Parkplatzes wurden im Mai 2020 direkt auf der Baustelle von einem Brecher der Firma Max Wild zerkleinert. Das Material diente anschließend als Füllmaterial und als Tragschicht beim Bau der neuen Wege auf dem Gartenschaugelände, statt abgefahren und entsorgt zu werden.
Welche Vorteile hatte das Recycling beim Bau der Gartenschau Lindau?
Der Vorteil war doppelt. Die Baustelle brauchte weniger neuen Kies, der sonst hätte gekauft und angeliefert werden müssen. Zugleich entfielen die Kosten für den Abtransport des Schutts. Auf einer Insel mit wenigen Zufahrten bedeutete das außerdem weniger Lastwagenfahrten durch die Stadt während der Bauzeit.
Was entstand auf der Fläche des alten Parkplatzes?
Auf der früheren Parkplatzfläche entstand für die Gartenschau 2021 der Bürgerpark mit mehr als 9.000 Quadratmetern Freifläche, dazu Sportflächen, eine Skateanlage und Spielplätze. 2025 folgte dafür eine Auszeichnung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis.
Was passierte mit Werbebannern und Möbeln der Gartenschau Lindau?
Ausgediente Werbebanner aus Mesh-Gewebe ließ die Gesellschaft in einer Nähwerkstatt der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren zu Badetaschen und Kulturbeuteln verarbeiten, die im Gartenmarkt verkauft wurden. In der Werkstatt arbeiten Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf. Nach dem Ende der Schau kamen Stühle, Liegestühle, Sonnenschirme, Pflanztröge und Obstkisten am 16. Oktober 2021 bei einem Abverkauf im Bürgerpark unter die Leute, statt eingelagert oder entsorgt zu werden.
Quellen
- Stadt Lindau, Bürgerpark erhält Auszeichnung des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises 2025
- Wikipedia, Bahnhof Lindau-Reutin
Stand der Angaben: September 2026.