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Uferstufen Lindau: der Seezugang der Gartenschau 2021 und heute

Früher trennte ein schmales Betonband die Hintere Insel vom Wasser, wer baden wollte, musste über die Böschung klettern. Seit der Gartenschau 2021 führen 120 Meter breite Stufen direkt in den Bodensee. Die Uferstufen waren schon im Gartenschausommer der beliebteste Platz des Geländes und sind heute der Ort, an dem sich Lindau an warmen Abenden trifft.

Ufer der Hinteren Insel in Lindau mit dem Pulverturm
UferstufenHintere Insel, Lindau
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Hintere Insel mit Pulverturm, Mai 2022 · Foto: Simon Legner (simon04), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Lage

Westufer, vor dem Bürgerpark

2021

120 Meter breite Stufen in den See

Heute

Sitz- und Badestufen am Wasser

Wo früher geklettert wurde

Die Hintere Insel war schon lange ein Treffpunkt der Insulaner, lange bevor es die Uferstufen Lindau gab. Das Problem war der Weg ins Wasser. Am Ufer entlang lief ein schmales Betonband, dahinter fiel eine Böschung zum See ab. Wer baden wollte, musste hinunterklettern und kam über Steine und Beton ins Wasser, was mit Kindern mühsam und für ältere Menschen kaum machbar war.

Die Gartenschau wollte genau das ändern. Ihr Motto „Gartenstrand – vom Berg zum See“ verlangte einen Ort, an dem der See nicht nur Aussicht ist, sondern zugänglich. Die Planer von Atelier Loidl setzten deshalb am Westufer vor dem geplanten Bürgerpark eine Stufenanlage an: 120 Meter lang, breit genug zum Liegen, und mit dem Wasser direkt an der untersten Stufe.

Warum die Bagger im November kamen

Die Bauzeit richtete sich nach dem Bodensee. Im Winter führt der See traditionell Niedrigwasser, im Frühsommer steigt der Pegel mit der Schneeschmelze in den Alpen deutlich an. Die Firma Zeba, die den Auftrag bekommen hatte, nutzte deshalb den niedrigen Wasserstand im November 2019, um die alte Uferböschung abzureißen. Noch vor Jahresende sollte das neue Fundament stehen, und so kam es auch.

Im Frühjahr 2020 folgte der spektakulärste Teil. Die Stufen bestehen aus Betonfertigteilen, die jeweils mehr als 14 Tonnen wiegen. Ein Kran hob sie einzeln an ihren Platz und setzte sie millimetergenau ein. Bei einem Baustellenrundgang im Frühjahr 2020 hieß es, die Uferstufen seien fast fertig. Die Aussicht von dort war damals ein Privileg der Bauarbeiter, die ihre Vesperpause auf den neuen Stufen verbrachten.

Fertig war die Anlage im Mai 2020, ein Jahr vor der Gartenschau. Nutzen durfte sie trotzdem niemand. Eine vorzeitige Öffnung des Geländes war aus steuerlichen Gründen und wegen der Fördermittel nicht möglich, und vor Pfingsten 2020 musste die Stadt sogar warnen, dass das Betreten der Baustelle verboten sei. Ein Sicherheitsdienst traf dort nach Angaben der Gartenschau ganze Gruppen, die trotz Verbot picknickten oder sonnenbadeten.

Stufen für jeden Wasserstand

Der Bodensee ist ein See mit wechselndem Pegel, und das ist die eigentliche technische Aufgabe an diesem Ufer. Die Betonstufen sind so angelegt, dass man das Wasser unabhängig vom Wasserstand erreicht. Bei Niedrigwasser liegen mehr Stufen frei, bei Hochwasser weniger, aber eine Stufe am Wasser gibt es immer.

Vor den Stufen wurde eine Kiesfläche aufgeschüttet. Sie hat zwei Aufgaben. Zum einen entsteht ein flacher Einstieg, in dem Kinder spielen können, während die Eltern oben auf den Stufen sitzen. Zum anderen wertet der Kies das Ufer ökologisch auf, weil eine Flachwasserzone mit natürlichem Untergrund mehr Lebensraum bietet als eine Ufermauer.

Baumbestandene Promenade auf der Hinteren Insel in Lindau
Hintere Insel, Mai 2022 · Foto: Simon Legner (simon04), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Uferstufen Lindau zur Gartenschau 2021

Mit der Eröffnung am 20. Mai 2021 wurden die Stufen zum Zentrum des Gartenstrands. Schon am ersten Wochenende, bei durchwachsenem Wetter und mit Testpflicht am Eingang, meldete die Gartenschau, dass sich die Uferstufen bei Sonnenschein und zum Sonnenuntergang als Magnet erwiesen. Wer es ruhiger angehen wollte, fand dort einen Platz, während nebenan im Sportband geskatet und gebouldert wurde.

Finanziert wurden die Stufen aus der Gartenschau-Förderung des Freistaats von 2,6 Millionen Euro, aus der auch Bürgerpark, Luitpoldpark und Karlsbastion bezahlt wurden. Unter allen Bauten war das Geld hier vermutlich am sichtbarsten angelegt. Die Veranstalter selbst beschrieben die Uferstufen als den Ort, an dem sich für alle ein Zugang zum See öffnet.

Zur Schlussbilanz im Oktober 2021 nannte die Geschäftsführung die Uferstufen ausdrücklich unter den bleibenden Einrichtungen, die bei den Einheimischen hohe Akzeptanz fanden, zusammen mit den Spielplätzen und dem Kiosk. Die Gartenschau zählte in ihren 144 Tagen 287.482 Besucher.

Ein Sommer auf den Stufen

Wie die Stufen im Gartenschaujahr genutzt wurden, lässt sich an ein paar Zahlen ablesen. Die Saison 2021 brachte 62 Sonnen- und 82 Regentage, also mehr nasse als trockene. Trotzdem kamen an einem einzigen Tag bis zu 3.914 Menschen auf das Gelände. Insgesamt wurden im Gartenschausommer 1.864 SUP-Boards ausgeliehen, was zeigt, dass viele Gäste den See nicht nur ansehen, sondern auch benutzen wollten.

Die Gartenschau selbst schlug in ihrem Vorschlag für einen Tagesablauf ausdrücklich eine Abkühlung im See bei einer Runde Schwimmen vor, zwischen Beachvolleyball und Mittagessen. Das war die konsequente Umsetzung des Mottos: Der Strand im Namen war ernst gemeint, man durfte hinein.

Auch in einem Kinderbuch, das zur Gartenschau erschien, tauchen die Stufen auf: Die Seejungfrau Luina und ihre Begleiter planschen dort, bevor sie weiter über das Gelände ziehen. Die Szene passt, denn gerade Familien mit kleinen Kindern nutzten die flache Kiesfläche vor den Stufen.

Uferweg auf der Hinteren Insel mit Holzelementen und Bäumen
Hintere Insel, Mai 2022 · Foto: Simon Legner (simon04), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Nicht barrierefrei, und das ist ehrlich

Eine Einschränkung gibt es. Die Gartenschau wies 2021 darauf hin, dass ihr Gelände in nahezu allen Bereichen barrierefrei war, ausgenommen die Uferstufen und die Treppenabgänge zum See. Stufen sind nun einmal Stufen. Menschen im Rollstuhl erreichen das Wasser hier nicht, anders als den Ausblick von der Karlsbastion, die eine Rampe bekommen hat.

Wer eingeschränkt mobil ist, kann aber den oberen Rand der Anlage und die ebenen Wege des Bürgerparks nutzen, von denen der Blick über das Wasser derselbe ist.

Die Uferstufen Lindau heute

Nach dem Ende der Gartenschau am 10. Oktober 2021 folgte der Rückbau der temporären Ausstellung. Ab dem 30. Oktober 2021 war der Uferweg von der Eilguthalle bis zum Kiosk im Bürgerpark und zur Thierschbrücke wieder frei, und damit auch der Weg zu den Stufen. Die Anlage blieb, wie geplant, als öffentlicher Seezugang. Die Stadt Lindau nennt die Hintere Insel mit ihrem großen Treppenzugang heute als eine der frei zugänglichen Badestellen auf der Insel, neben Schützingerweg, Oskar-Groll-Anlage und Gerberschanze. Für die Uferstufen wird kein Eintritt erhoben, sie sind kein Strandbad mit Kasse und Umkleiden, sondern ein offenes Ufer.

Dass die Stufen bleiben, war von Anfang an Teil der Rechnung. Die Veranstalter betonten 2021, dass der Raum um Bürgerpark und Uferstufen für 30 Jahre rechtlich gesichert und damit jeder Bebauung entzogen ist. Diese Sicherung verdankt sich nach Darstellung der Veranstalter unmittelbar der Gartenschau und ihren Fördermitteln aus München. Für die Menschen auf der Insel bedeutet es, dass der Seezugang auch dann bleibt, wenn sich das Umfeld auf der Hinteren Insel weiter verändert.

Die Stufen gehören zum Parkband um die Hintere Insel, für das Lindau 2024 beim Bundespreis Stadtgrün ausgezeichnet wurde. 2025 folgte für den angrenzenden Bürgerpark eine Auszeichnung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis; die Stadt hob dabei ausdrücklich die neuen Wasserzugänge hervor.

Kiosk, Sonnenuntergang und ein paar praktische Hinweise

Direkt hinter den Stufen, zwischen Ufer und dem Spielplatz Gratwanderung, steht der Kiosk, der zur Gartenschau als dauerhaftes Holzgebäude entstand. Er erinnert an eine Berghütte oder ein Bootshaus, sein Verkaufsfenster zeigt zum See, und im Außenbereich waren rund 60 Sitzplätze vorgesehen. Auf der Südseite liegen Toiletten, darunter eine barrierefreie mit Wickeltisch. Im Gartenschausommer fanden hier auch Sundowner-Konzerte statt.

Die Stufen blicken nach Westen zum Festland. An klaren Abenden geht die Sonne über dem Wasser unter, und dann sind die Stufen am vollsten. Wer einen Platz will, kommt früher. Handtuch oder Sitzkissen lohnen sich, denn Beton bleibt Beton, auch wenn er in der Abendsonne warm ist.

Die Anreise ist einfach: vom Bahnhof Lindau-Insel zu Fuß am Ufer entlang oder vom Festland über die Thierschbrücke. Wer mit dem Auto kommt, findet die Optionen unter Parken in Lindau. Wer lieber mit Kasse, Badeaufsicht oder warmem Wasser baden möchte, findet Therme, Strandbad Eichwald und die anderen Badestellen unter Baden in Lindau. Wie die Stufen mit den übrigen fünf Bereichen der Gartenschau zusammenhängen, erklärt das Konzept der Gartenschau Lindau; einen Überblick über das gesamte Ereignis gibt die Seite zur Gartenschau Lindau 2021.

KarlsbastionSchützinger WegLuitpoldparkUferstufenBürgerparkSina-Kinkelin-Platz
Lage von Uferstufen auf der Hinteren Insel (schematisch).
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Wo genau liegen die Uferstufen in Lindau?

Die Uferstufen liegen am Westufer der Hinteren Insel, direkt vor dem Bürgerpark und neben dem Kiosk. Vom Bahnhof Lindau-Insel folgt man dem Uferweg nach Westen, vorbei an Schützinger Promenade, Karlsbastion und Luitpoldpark. Von der Thierschbrücke und vom Festland in Aeschach kommend erreicht man sie in wenigen Minuten durch den Bürgerpark. Der Blick geht über das Wasser zum Festland.

Kann man an den Uferstufen Lindau baden?

Ja. Die Stadt Lindau führt die Hintere Insel mit ihrem großen Treppenzugang als eine der frei zugänglichen Badestellen auf der Insel, neben Schützingerweg, Oskar-Groll-Anlage und Gerberschanze. Eintritt wird nicht erhoben. Die Stufen wurden so gebaut, dass man das Wasser bei jedem Pegelstand erreicht, und vor ihnen liegt eine flache Kiesfläche, in der auch Kinder spielen können.

Wann wurden die Uferstufen Lindau für die Gartenschau 2021 gebaut?

Die Arbeiten begannen im November 2019, als die Firma Zeba den niedrigen Winterwasserstand nutzte, um die alte Uferböschung abzureißen. Noch im selben Jahr wurde das Fundament gesetzt. Die Betonteile, jeweils mehr als 14 Tonnen schwer, setzte ein Kran millimetergenau ein. Fertig waren die Stufen im Mai 2020, öffentlich nutzbar aber erst mit der Eröffnung der Gartenschau am 20. Mai 2021.

Sind die Uferstufen barrierefrei?

Nein. Schon die Gartenschau wies 2021 darauf hin, dass ihr Gelände fast überall barrierefrei war, mit Ausnahme der Uferstufen und der Treppenabgänge zum See. Stufen lassen sich nun einmal nicht mit dem Rollstuhl befahren. Der Bürgerpark direkt dahinter ist dagegen eben, und von den Wegen am oberen Rand der Stufen hat man denselben Blick über das Wasser.

Gibt es an den Uferstufen etwas zu essen und Toiletten?

Zwischen den Uferstufen und dem Spielplatz Gratwanderung steht ein Kiosk, der zur Gartenschau als dauerhaftes Gebäude gebaut wurde. Er hat ein Verkaufsfenster zum See und zur Uferpromenade, Platz für rund 60 Sitzplätze im Freien und eine integrierte WC-Anlage mit barrierefreier Toilette und Wickeltisch. Aktuelle Öffnungszeiten des Kiosks sollten vor dem Besuch geprüft werden.

Warum sind die Uferstufen Lindau heute so beliebt?

Auf 120 Metern kann man hier bequem am Wasser sitzen und ohne Kletterei in den See gehen, mitten in der Stadt und ohne Eintritt. Dazu kommt die Ausrichtung: Die Stufen blicken nach Westen, sodass die Sonne abends über dem Wasser untergeht. Schon am ersten Gartenschau-Wochenende im Mai 2021 erwiesen sich die Stufen bei Sonne und zum Sonnenuntergang als Magnet für die Besucher.