Lindau 2021 Gartenschau · Insel · See
Chronik Dezember 2020

Landschaftsgärtner und ihre Themengärten auf der Gartenschau Lindau

Im Dezember 2020 stellte der bayerische Verband der Landschaftsgärtner vor, was seine Mitgliedsbetriebe für die Gartenschau Lindau vorbereiteten. Drei Firmen aus dem Allgäu und der direkten Nachbarschaft planten vier Themengärten zwischen dem Eingang Nord und dem künftigen Bürgerpark, jeder mit einer eigenen Idee davon, was ein Garten heute sein kann.

Meldung vom Redaktionell überarbeitet:

AI Themengärten mit Hecken, Kiesgarten und Teich um ein kleines Gartenhaus (mit AI erstelltes Bild)
Mit AI erstelltes Bild · Hinweis zu AI-Bildern

Vier Gärten zwischen Eingang Nord und Bürgerpark

Im Dezember 2020, gut fünf Monate vor der Eröffnung, stellte der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern die Beiträge seiner Mitgliedsbetriebe für die Gartenschau Lindau vor. Drei regionale Fachbetriebe planten vier Themengärten auf der Ausstellungsfläche zwischen dem Eingang Nord und dem künftigen Bürgerpark. Anders als der Park selbst waren diese Gärten temporär angelegt. Sie sollten während der damals geplanten 130 Schautage zeigen, was ein privater Garten heute leisten kann, und Hausbesitzern Anregungen für ihr eigenes „grünes Wohnzimmer“ geben.

Der Gedanke dahinter ist alt. Ein gut gestalteter Außenbereich erweitert den Wohnraum, macht ein Haus attraktiver und steigert auf Dauer den Wert einer Immobilie. Gartenschauen waren für den Garten- und Landschaftsbau deshalb schon immer auch eine Leistungsschau. In Lindau kam hinzu, dass alle drei Betriebe aus der Region stammten, aus dem Westallgäu, dem württembergischen Allgäu und der Nachbargemeinde Sigmarszell. Wer sich von einem der Gärten anregen ließ, fand den Fachbetrieb also nicht weit entfernt. Die Schau war damals noch bis zum 26. September 2021 geplant, die Verlängerung bis zum 10. Oktober beschlossen Gesellschaft und Aufsichtsrat erst im Juni 2021.

Birkenflüstern: ein Waldgang aus Holzrahmen

Den ersten Garten gestalteten Herrhammer (Gärtner von Eden) aus Heimenkirch und bs LandschaftsArchitekten aus Lindenberg im Allgäu gemeinsam. „Birkenflüstern“ holte die Stille des Waldes auf die Insel. Besucher gingen durch einen Laubengang aus verwitterten Holzrahmen, begleitet von waldtypischer Bepflanzung, Blätterrascheln und Vogelstimmen. Die Rahmen rückten immer enger zusammen und mündeten in einen offenen Holzkubus mit einer großen Wasserschale aus Edelrost-Stahl, eingerahmt von kontrastreichen Stauden. Von dort führte eine geschwungene, ebenfalls mit Edelrost-Stahl eingefasste Treppe auf eine höhere Ebene mit Feuerstelle und Sitzplätzen. Am zweiten Eingang wartete ein großer Stahlring mit eingebauter Sitzbank. Ein lichter Birkenhain umgab das Ganze.

Der Zoomgarten: der Bodensee im Miniaturformat

Die Firma Form & Pflanze aus Reichenhofen bei Leutkirch im Allgäu war gleich mit zwei Gärten vertreten. Der „Zoomgarten“ bildete die Bodenseelandschaft abstrahiert und verkleinert nach. See, Zuflüsse und Abflüsse waren als Pflanzflächen aus Lein, Teppichverbene, Steinbrech, Ehrenpreis, Teppichthymian und Drachenkopf angelegt. Die Topografie erschien gespiegelt. Berge wurden zu Mulden, aus denen Iris, Taglilien und Gräser wuchsen. Drei Natursteinflächen standen für die Anrainerstaaten: Bärlocher Sandstein für die Schweiz, Vorarlberger Kieselhartkalk für Österreich, Moränekiesel und Findlinge für Süddeutschland. Drei Silberweiden symbolisierten die verbindende Region, Sitzsteine und eine Sitzecke luden zum Bleiben ein.

AI Rosenpergola mit Glyzinie, Gartenbank und Vogeltränke am Ufer (mit AI erstelltes Bild)
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Feng Shui am See: fünf himmlische Tiere

Der zweite Garten von Form & Pflanze trug den Titel „Feng Shui am See: Im Reich der fünf himmlischen Tiere“ und folgte der fernöstlichen Lehre vom Einklang zwischen Mensch und Natur. Ein schmaler Eingang im Nordosten öffnete sich gleich dahinter zu einem weiten Raum. Am höchsten Punkt stand die Schildkröte für Stabilität, daneben der Tiger für die Yin-Energie, bepflanzt mit Rosen und ausgestattet mit einer Parkbank. Gegenüber wachte auf der zweithöchsten Erhebung der Drache, dessen Rücken Bruchsteine aus Kieselhartkalk nachzeichneten. Im Süden stand der Phönix für freie Sicht und Zukunft, belebt durch einen Quellstein. Die Schlange in der Mitte vereinte beide Energien auf einer offenen Fläche aus feinem Kies.

Garten der Illusionen: viel Raum auf wenig Fläche

Aus der unmittelbaren Nachbarschaft kam der vierte Beitrag. Garten- und Landschaftsbau Lehmann aus Sigmarszell-Bösenreutin widmete sich dem Reihenhausgarten, einem Thema, das mit der Verdichtung von Bauland ständig wichtiger wird. Spiegelwände ließen die kleine Fläche größer wirken, eine Glasterrasse führte über einen Koiteich, und Landschaftsbilder sowie ein Kiesstrand am Hochbeet lenkten vom Wohngebiet ringsum ab. Von allen vier Gärten war das wohl der mit dem größten Nutzen für den Alltag.

Einen Überblick über sämtliche Aussteller und ihre Beiträge bietet der Katalog der Themengärten, wo die Gärten auf dem Gelände lagen, zeigt die Beschreibung des Geländes. Geblieben ist der benachbarte Bürgerpark, der 2025 beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis ausgezeichnet wurde. Wie Auszubildende im Garten- und Landschaftsbau einen weiteren Beitrag zur Artenvielfalt anlegten, schildert der Eintrag über den Biodiversitätsgarten der Auszubildenden.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Welche Themengärten zeigten die Landschaftsgärtner auf der Gartenschau Lindau?

Es waren vier Gärten: „Birkenflüstern“ von Herrhammer (Gärtner von Eden) aus Heimenkirch mit bs LandschaftsArchitekten aus Lindenberg, der „Zoomgarten“ und „Feng Shui am See“ von Form & Pflanze aus Reichenhofen bei Leutkirch sowie der „Garten der Illusionen“ von Garten- und Landschaftsbau Lehmann aus Sigmarszell-Bösenreutin. Alle lagen zwischen Eingang Nord und Bürgerpark.

Sind die Themengärten der Gartenschau Lindau heute noch zu sehen?

Nein. Die Themengärten der Landschaftsgärtner waren von Anfang an als temporäre Beiträge für die Dauer der Gartenschau 2021 geplant. Dauerhaft geblieben sind dagegen die großen Freianlagen wie der Bürgerpark, die Uferstufen und die neu gestaltete Schützinger Promenade. Wer Anregungen aus den Gärten sucht, findet die Beschreibungen im Katalog der Aussteller.

Was war die Idee hinter dem Zoomgarten?

Der Zoomgarten bildete die Bodenseelandschaft verkleinert und abstrahiert nach. See und Flüsse bestanden aus Pflanzflächen, die Topografie war gespiegelt, sodass Berge als Mulden erschienen. Drei Natursteinflächen standen für die Anrainerstaaten: Sandstein aus der Schweiz, Kieselhartkalk aus Vorarlberg, Moränekiesel und Findlinge aus Süddeutschland. Drei Silberweiden verbanden die Teile.

Wie war der Garten der Illusionen auf der Gartenschau Lindau gestaltet?

Der „Garten der Illusionen“ widmete sich dem Reihenhausgarten, einem Thema, das mit der Verdichtung von Bauland immer wichtiger wird. Spiegelwände ließen die kleine Fläche größer wirken, und eine Glasterrasse führte über einen Koiteich. Landschaftsbilder und ein Kiesstrand am Hochbeet lenkten vom Wohngebiet ringsum ab. Von den vier Themengärten war er wohl der mit dem größten Nutzen für den Alltag.