Bürgerpark Lindau: vom Parkplatz zum grünen Herz der Gartenschau 2021
Wo bis 2019 Autos auf Asphalt standen, liegt heute der größte Park der Hinteren Insel. Der Bürgerpark war das Zentrum der Gartenschau 2021, mit Haupteingang, Bühne und Sportband, und er ist geblieben: mit Klettergerüst, Skateanlage, Kiosk und alten Bäumen. 2025 wurde er beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis ausgezeichnet.

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Westseite der Insel, an der Thierschbrücke
Haupteingang, Bühne und Sportband anstelle des Parkplatzes
Park mit Spielplatz, Sportband und Kiosk
Ein Parkplatz am schönsten Ufer der Insel
Die Lage war immer schon außergewöhnlich: Westufer der Hinteren Insel, freier Blick über das Wasser, Altstadt und Bahnhof in Gehweite. Genutzt wurde die Fläche trotzdem über Jahre als Parkplatz. Die Gartenschau sprach später von einem „tristen Parkplatz“, und wer ihn kannte, wird nicht widersprechen. Der Bürgerpark Lindau ist das Ergebnis der Entscheidung, diesen Platz den Menschen statt den Autos zu geben.
Wie groß der Park ist, hängt davon ab, wen man fragt. In einer Pressemitteilung aus der Bauzeit war von mehr als 17.000 Quadratmetern die Rede, etwa der Größe von drei Fußballfeldern, einschließlich Skateanlage, Bewegungspark, Spielplatz und Sportflächen. Die Wettbewerbsunterlagen zum Landschaftsarchitektur-Preis sprechen von mehr als 9.000 Quadratmetern Freifläche, die zuvor mit Autos belegt waren. Vermutlich beschreiben beide Zahlen unterschiedliche Abgrenzungen. Groß ist der Park in jedem Fall, für eine Insel ohnehin.
Grün zuerst, Häuser später
Das Besondere am Bürgerpark ist die Reihenfolge. Normalerweise plant eine Stadt erst Straßen und Gebäude, und das Grün kommt dazu, wo noch Platz ist. Auf der Hinteren Insel lief es umgekehrt: Erst wurde der Park geplant und gebaut, dann sollte die Bebauung drumherum folgen. Die Gartenschau stellte genau diesen Punkt immer wieder heraus.
Der Park ist Teil des Frei- und Grünflächenkonzepts der Stadt Lindau. Dank der Gartenschau ist er nach Darstellung der Veranstalter für 30 Jahre gesichert und darf nicht bebaut werden. Finanziert wurde er zu einem großen Teil aus der Gartenschau-Förderung des Freistaats von 2,6 Millionen Euro, die daneben auch Uferstufen, Luitpoldpark und Karlsbastion trug. Beim Abriss des alten Parkplatzes fielen rund 1.000 Kubikmeter Stein, Asphalt und Beton an. Sie wurden vor Ort zerkleinert und im Wegebau sowie als Füllmaterial wiederverwendet, was Transporte und Material sparte.
Gratwanderung, Kiosk und das Sportband
Die Maxime der Planer hieß „liebevoll statt beliebig“. Am deutlichsten sieht man das am Spielplatz. Die „Gratwanderung“ ist ein großes Klettergerüst, dessen Form sich an der Bergsilhouette des Schweizer Ufers orientiert. Kinder klettern, hangeln und turnen darauf, dazu gibt es Rutschen und Schaukeln. Die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim unterstützte den Bau als Sponsor.
Zwischen der Gratwanderung und den Uferstufen steht der Kiosk. Das Holzgebäude mit 32 Quadratmetern entstand im Dezember 2020 aus vorgefertigten Holzteilen, die ein Kran in wenigen Stunden setzte. Es erinnert an eine Almhütte oder ein Bootshaus, lässt sich mit Schiebeelementen komplett verschließen und hat ein begrüntes Vordach. Das Verkaufsfenster zeigt zum See, auf der Südseite liegen Toiletten mit einer barrierefreien Kabine und Wickeltisch.
Im Norden des Parks verläuft das Sportband. Dort stehen Calisthenics-Geräte für das Training im Freien, eine Skateanlage und ein Boulderwürfel. Die Skateanlage mit Bowl, Pyramide, Quarterpipes und Funbox baute der Verein Lindau Move zu einem großen Teil selbst, mit 600 bis 800 Arbeitsstunden allein in der ersten Phase, unterstützt von der Firma Haas und den städtischen Garten- und Tiefbaubetrieben. Den Boulderwürfel mit 90 Quadratmetern Kletterfläche stellte die Sektion Lindau des Deutschen Alpenvereins auf. Es war die erste Möglichkeit zum Bouldern in Lindau. In der Ecke bei der Luitpoldkaserne und der Pulverschanze kommen Tischtennisplatten und ein Basketballfeld dazu.
Hinter dem Sportband steckt mehr Eigeninitiative, als man ihm ansieht. Der Verein Lindau Move wurde gegründet, weil Skater eine neue Anlage wollten und nicht fünf weitere Jahre warten mochten. Ein Planer aus Innsbruck half bei der Konzeption ohne Honorar, die Wohnungsbaugesellschaft GWG beteiligte sich finanziell, und die Sitzgelegenheiten rund um die Bahn bezahlte die Sparkasse. Der Alpenverein wiederum nutzte den Boulderwürfel während der Gartenschau 2021 für Kurse mit Schulklassen und eigene Trainings, seine Mitglieder schraubten die Routen alle paar Wochen um. Parallel legte die Sektion einen alpinen Garten an, als Verbindung zum Alpengarten an der Lindauer Hütte im Rätikon.

Bäume mit Herkunft
Ein Park auf einem ehemaligen Parkplatz braucht Schatten, und der wächst nicht in einem Jahr. 2020 wurden deshalb 30 neue Bäume gepflanzt. Die Auswahl orientierte sich am vorhandenen Bestand der Insel, darunter Hainbuche, Kiefer und Fichte. Zwei Arten fallen aus der Reihe. In der Nähe von Skatepark und Calisthenics-Parcours steht ein Persischer Eisenholzbaum, dessen Holz so schwer ist, dass es im Wasser sinkt. Daneben wächst ein Blauglockenbaum, auch Kaiserbaum genannt, einer der am schnellsten wachsenden Bäume überhaupt. Er gilt als trockenheitstolerant, wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium als bienenfreundlich empfohlen und bindet nach Angaben der Gartenschau in 20 Jahren etwa 46-mal so viel CO₂ wie eine Eiche.
Hinzu kamen Blühwiesen. Schon im Herbst 2020, knapp 200 Tage vor der Eröffnung, blühten auf drei Teilflächen im künftigen Bürgerpark Cosmea und Löwenmäulchen. Die Wiesen waren als dauerhafte Bepflanzung angelegt und sollten vor allem Insekten ein Zuhause bieten.
Der Bürgerpark Lindau zur Gartenschau 2021
Vom 20. Mai bis 10. Oktober 2021 war der Bürgerpark das Zentrum der Gartenschau Lindau 2021. Hier lagen der Haupteingang, die Bühne und die Hauptgastronomie, dazu die temporären Ausstellungsflächen auf dem angrenzenden Parkplatz. Der Bund Naturschutz legte einen kleinen Teich mit Wasserfall an, Winzer aus der Region schenkten an einer Bar Wein aus.
Am meisten Betrieb herrschte am Sportband. Schon am ersten Wochenende meldete die Gartenschau, Skatepark und Boulderblock seien dicht bevölkert gewesen. Auf der Spieleland-Wiese drehte zeitweise die Kindereisenbahn der BSW Modellbahngruppe Lindau ihre Runden. Die Geschäftsführung bilanzierte am Ende, sie habe noch nie so viel junges Publikum auf einer Gartenschau gesehen. Einen großen Anteil daran hatte dieser Park. Beim Strandfest zur Halbzeit am 28. Juli 2021 gab es im Calisthenics-Park sogar einen eigenen Wettbewerb.
Am 16. Oktober 2021, knapp eine Woche nach dem Ende, fand im Bürgerpark ein Abverkauf des Inventars statt. Stühle, Sitzsäcke, Sonnenschirme und Pflanztröge gingen an Lindauer, die sich ein Stück Gartenstrand mit nach Hause nehmen wollten.

Der Bürgerpark Lindau heute
Seit dem Ende der Gartenschau ist der Park öffentlich und frei zugänglich. Die Stadt Lindau beschreibt ihn heute als zentrales grünes Band auf der Westseite der Insel, das über den Inselweg die einzelnen Bereiche der Hinteren Insel verbindet. Als dauerhafte Einrichtungen gebaut wurden der Kiosk, die Gratwanderung, die Uferstufen und das Sportband. Boulderblock und Skateanlage gehören nach dem Wettbewerbsbeitrag der Stadt zu den bleibenden Einrichtungen der Hinteren Insel.
Fachlich hat der Bürgerpark seither zwei Auszeichnungen gesammelt. 2024 wurde Lindau beim Bundespreis Stadtgrün für das Projekt „Ring aus Inselgärten – Parkband Hintere Insel“ ausgezeichnet. Beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten folgte eine Auszeichnung in der Kategorie Bauen im Bestand und historische Anlagen, übergeben am 12. September 2025 in Berlin. Die Jury hob hervor, dass die Gestaltung zurückhaltend bleibe und den historischen Baumbestand, die Nähe zum See und die Insellage respektiere.
Die offene Frage nebenan
Weniger eindeutig ist die Lage auf den Flächen östlich des Parks. Nach den ursprünglichen Plänen sollten auf den temporären Ausstellungsflächen neue Wohnungen entstehen. Am 25. September 2022 stimmten die Lindauer in einem Bürgerentscheid darüber ab. Die Bebauung der vier südlichen Baufelder wurde abgelehnt, mit 5.548 Nein-Stimmen (74,5 Prozent) gegen 1.902 Ja-Stimmen (25,5 Prozent). Das Quorum war erreicht, das Ergebnis bindend. Der Förderverein Hintere Insel kritisierte später, dass auf dem früheren Gartenschaugelände zu viele Parkplätze entstanden seien. Wie es auf der Hinteren Insel weitergeht, behandelt die Seite zur Stadtentwicklung.
Für den Bürgerpark selbst ändert das nichts, er ist gesichert. Wer heute kommt, erreicht ihn am einfachsten zu Fuß vom Bahnhof Lindau-Insel oder über die Thierschbrücke; Hinweise zum Parken gibt es unter Parken in Lindau. Direkt am Ufer schließen die Uferstufen an, und wie alle sechs Bereiche zusammenhängen, zeigt das Konzept der Gartenschau Lindau.
Häufige Fragen
Wo liegt der Bürgerpark Lindau?
Der Bürgerpark liegt im Westen der Hinteren Insel, zwischen dem Luitpoldpark im Süden, dem Seeufer mit den Uferstufen und der Thierschbrücke, die zum Festland nach Aeschach führt. Am Rand stehen die Luitpoldkaserne und die Pulverschanze. Vom Bahnhof Lindau-Insel ist er zu Fuß über den Uferweg in wenigen Minuten erreichbar, vom Festland aus über die Thierschbrücke.
Was gab es im Bürgerpark Lindau zur Gartenschau 2021?
Im Bürgerpark lagen 2021 der Haupteingang, die Bühne und die Hauptgastronomie der Gartenschau. Dazu kamen das Sportband mit Skateanlage, Calisthenics-Geräten, Boulderwürfel und Beachvolleyballfeld, der Spielplatz Gratwanderung, die Spieleland-Wiese mit Kindereisenbahn und Blühwiesen. Direkt am Wasser folgten die Uferstufen und der Kiosk, beide als dauerhafte Einrichtungen gebaut.
Welche Auszeichnung hat der Bürgerpark Lindau erhalten?
Beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 erhielt der Bürgerpark eine Auszeichnung in der Kategorie Bauen im Bestand und historische Anlagen. Die Preisverleihung fand am 12. September 2025 in Berlin statt. Die Jury lobte die zurückhaltende Gestaltung, die den alten Baumbestand, die Nähe zum See und die Insellage respektiert. Bereits 2024 war Lindau für das Parkband Hintere Insel beim Bundespreis Stadtgrün ausgezeichnet worden.
Wer hat den Bürgerpark Lindau geplant?
Die Freianlagen der gesamten Gartenschau und damit auch der Bürgerpark stammen vom Berliner Büro Atelier Loidl Landschaftsarchitekten. Der Kiosk wurde vom Studio Wessendorf aus Berlin entworfen, die Ausführung betreute das Büro Bau Werk Stadt aus Wasserburg. Die Skateanlage entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Verein Lindau Move, der viele Stunden eigene Arbeit einbrachte. Bauherrin war die Stadt Lindau.
Kann der Bürgerpark Lindau bebaut werden?
Nach Angaben der Gartenschau ist der Bürgerpark dank der Gartenschau für 30 Jahre rechtlich gesichert und darf nicht bebaut werden. Davon zu trennen ist die Fläche östlich des Parks. Dort sollte Wohnbebauung entstehen, doch beim Bürgerentscheid vom 25. September 2022 lehnten 74,5 Prozent der Abstimmenden die Bebauung der vier südlichen Baufelder ab. Das Ergebnis war bindend.
Was kann man im Bürgerpark Lindau heute machen?
Der Park ist frei zugänglich und ohne Eintritt. Kinder klettern auf der Gratwanderung, Jugendliche und Erwachsene nutzen Skateanlage, Calisthenics-Geräte, Tischtennisplatten und Basketballfeld, die große Wiese dient zum Spielen und Liegen. Am Ufer führen die Uferstufen in den See, daneben steht der Kiosk, der als dauerhafter Betrieb gebaut wurde. Boulderblock und Skateanlage sind laut dem Wettbewerbsbeitrag der Stadt dauerhaft geblieben.
Quellen
- Stadt Lindau: Bürgerpark Lindau erhält Auszeichnung des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025
- Garten + Landschaft: Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2025
- Bundespreis Stadtgrün: Ring aus Inselgärten – Parkband Hintere Insel
- Stadt Lindau: Ergebnis des Bürgerentscheids Entwicklung Hintere Insel (25.09.2022)
Stand der Angaben: September 2026.