Gitzenweiler Hof bei Lindau: Geschichte, Campingpark, Gartenschau 2021
Rund viereinhalb Kilometer nördlich der Lindauer Insel liegt ein Gutshof, der 1290 zum ersten Mal in einer Urkunde auftaucht. Seit 1961 ist er ein Campingplatz, heute mit 350 Stellplätzen. Zur Gartenschau 2021 schickte er einen Strand mit Liegen und einen Kräutergarten auf die Hintere Insel und war offizieller Gastgeber-Partner.

Region Westallgäu · Bodensee
Gartenschau 2021: ein Strand auf der Hinteren Insel
Im Sommer 2021 lagen Besucherinnen und Besucher der Gartenschau Lindau in Liegestühlen, die Füße im Sand, und schauten über den Bodensee. Der Platz hieß „GITZ-Beach“ und lag in unmittelbarer Nähe der Uferstufen, jener breiten Treppe, die auf der Hinteren Insel den Zugang zum Wasser öffnete. Eingerichtet hatte ihn nicht die Gartenschau selbst, sondern ein Campingplatz vom Lindauer Festland: der Gitzenweiler Hof, offizieller Gastgeber-Partner der Gartenschau 2021.
Der Strand war als Ruhezone gedacht, als Ort zum Entschleunigen zwischen Themengärten und Veranstaltungen. Die Gartenschau hob damals besonders die Sonnenuntergänge über dem See hervor, die sich von dort aus beobachten ließen. Dazu kam ein zweiter Beitrag: Entlang der Schützinger Promenade legte der Campingpark einen Kräutergarten zum Probieren an. Er war als Gegenstück zum Bio-Schaugarten gedacht, den der Hof in Gitzenweiler selbst betreibt. Mehr zur Gestaltung dieses Abschnitts steht auf der Seite zum Schützinger Weg.
Die Gartenschau lief vom 20. Mai bis zum 10. Oktober 2021 und zählte am Ende 287.482 Besucher, mehr als 8.300 von ihnen mit Dauerkarte. Viele davon kamen an den Uferstufen vorbei, die zu den dauerhaften Ergebnissen der Gartenschau gehören und heute ein öffentlicher Zugang zum See sind. Wie die Gartenschau Lindau 2021 insgesamt aufgebaut war, beschreibt die Übersichtsseite.
Anders als Scheidegg, Weiler oder Schlachters war der Gitzenweiler Hof kein Außenstandort der Gartenschau. Er brachte etwas vom eigenen Gelände auf die Insel, statt die Gäste zu sich zu holen.
Vom Rittergut zum Herrenhaus: 700 Jahre Gitzenweiler
Die Geschichte des Ortes reicht weit vor den Campingplatz zurück. Urkundlich erwähnt wird Gitzenweiler zum ersten Mal im Jahr 1290, damals als „Gizinwiller“. Im 14. Jahrhundert saß hier ein Ritter aus dem Geschlecht der Ebersberger; 1384 verkaufte die Familie ihren Hof mit den umliegenden Gütern an einen Lindauer Bürger. Ende des 15. Jahrhunderts gehörte das Gut einem Lindauer Bürgermeister.
Um 1700 erwarb eine Lindauer Familie namens Heider das Anwesen. Sie nannte sich fortan „von Heider zu Gitzenweiler“, und 1708 bestätigte ein kaiserlicher Brief ihren rittermäßigen Adelsstand. Mit dem Tod des letzten Heider zu Gitzenweiler endete diese Linie 1753. Erhalten ist das Gitzenweiler Herrenhaus, an dem das Wappen der Familie bis heute zu sehen ist.
Wie klein der Ort über Jahrhunderte blieb, zeigt eine Zahl aus der Volkszählung von 1987: Damals lebten in Gitzenweiler sieben Menschen.
Das Wirtshaus im alten Herrenhaus
An der Stelle, an der heute das Wirtshaus steht, stand nach Darstellung des Hauses immer das Herrenhaus des Guts. Es wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach erneuert, seine Ursprünge reichen ins 14. Jahrhundert zurück, also in die Zeit der Ebersberger.
Die Küche ist bayerisch-schwäbisch und bodenständig: Flädlesuppe, Kässpätzle, Maultaschen und Schnitzel stehen auf der Karte, dazu wechselnde Tagesgerichte. Bei gutem Wetter wird auf einer großen Terrasse serviert. Das Wirtshaus ist ganzjährig geöffnet und steht ausdrücklich auch Gästen offen, die nicht auf dem Platz übernachten, etwa Radfahrern auf dem Weg zwischen See und Allgäu oder Einheimischen aus Lindau.

Wie aus dem Gutshof ein Campingplatz wurde
Aus dem Gut wurde eher zufällig ein Campingplatz. Anfang der 1960er Jahre, als eine Reise nach Italien noch als kleines Abenteuer galt, machten Urlauber auf dem Weg in den Süden mit ihren Fahrzeugen auf dem ehemaligen Herrenhof Station und übernachteten dort. Bis dahin hatten zwei Familien hier Landwirtschaft betrieben. 1961 kamen die ersten Camper, und 2026 begeht der Campingpark sein 65-jähriges Bestehen.
In den folgenden Jahrzehnten wechselte der Platz mehrmals die Betreiber. 1972 entstand das große Freibad mit rund 800 Kubikmetern Wasser, das mehr als ein halbes Jahrhundert in Betrieb blieb. 1995 übernahm die Familie, die den Platz bis heute führt. Zwei Jahre später kam ein ungewöhnlicher Gast: ein rund 1,2 Tonnen schwerer Elefant aus Bronze, der aus Budapest an den Bodensee gebracht wurde.
Heute zählt das Tourismusportal der Stadt Lindau 350 Stellplätze für Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte, dazu Mietwohnwagen und Mietunterkünfte. Der Platz trägt fünf Sterne und ist auch außerhalb des Sommers geöffnet: Der Betreiber wirbt ausdrücklich für Camping in der Nebensaison.
Was sich am Gitzenweiler Hof gerade ändert
Wer den Gitzenweiler Hof von früher kennt, wird eine Lücke bemerken. Das Freibad von 1972 wurde im September 2025 dauerhaft geschlossen. Mit rund 800 Kubikmetern Wasser war es kein kleines Planschbecken, sondern hatte etwa ein Drittel des Volumens eines 50-Meter-Wettkampfbeckens. Statt es nur zu sanieren, will der Betreiber den Eingangsbereich neu gestalten, mit bepflanzten Aufenthaltsbereichen. Für die Zeit ab 2028 ist ein neues Gebäude geplant, das moderne Sanitärbereiche, ein Wirtshaus mit Terrasse und flexible Aufenthaltsräume unter einem Dach zusammenfasst. Wer in den nächsten Jahren kommt, erlebt den Platz also zum Teil im Umbau. Einen Badetag am Gitzenweiler Hof gibt es vorerst nicht mehr; zum Schwimmen fahren die Gäste nun an den Bodensee, der vom Platz aus mit dem Rad in kurzer Zeit erreichbar ist.
Auch der Streichelzoo, den ältere Beschreibungen des Platzes noch nennen, existiert nicht mehr. Tiere gibt es aber weiterhin: Der Ponyhof auf dem Gelände verleiht Ponys, gibt Reitstunden und bietet geführte Ausritte an. Die Zeiten hängen vor Ort aus (Stand 09/2026).

Bio-Schaugarten, Ponyhof, Wirtshaus: ein Ausflug für Tagesgäste
Der Gitzenweiler Hof ist in erster Linie ein Campingplatz, doch auch Tagesgäste kommen hierher. Wichtig ist eine Regel: Tagesbesucher melden sich im Voraus an der Rezeption an, die Preise nennt die aktuelle Preisliste des Platzes (Stand 09/2026).
Der Bio-Schaugarten ist das Stück Gelände, das 2021 sein Gegenstück auf der Hinteren Insel hatte. Kräuter und Gemüse dürfen dort angeschaut, angefasst, gerochen und probiert werden, und an ausgewählten Tagen gibt es Tipps für den eigenen Garten. Für Kinder kommen der Ponyhof und drei Spielplätze auf dem Gelände dazu. Am Ponyhof dürfen Kinder die Tiere auch füttern und striegeln.
Am Karpfenweiher des Platzes werden Kurse im Stehpaddeln angeboten, laut Campingpark ab zwei Personen für 40 Euro pro Stunde einschließlich Material; angeln darf dort, wer einen gültigen Fischereischein hat und eine Tageskarte für 3 Euro löst (Stand 09/2026). Das Stehpaddeln verbindet den Hof übrigens noch einmal mit dem Gartenschau-Sommer: Auf der Gartenschau wurden 2021 insgesamt 1.864 SUP-Boards ausgeliehen. Wer sportlich unterwegs ist, findet außerdem ein Beachvolleyballfeld, einen Kunstrasenplatz und Tischtennisplatten.
Gegessen wird im Wirtshaus, das ganzjährig bayerisch-schwäbische Küche anbietet. Eine Pizzeria und ein Imbiss haben laut der Stadt Lindau saisonal geöffnet, etwa von Ende März bis Anfang November. Außerdem gibt es einen Einkaufsmarkt. Ein Ausflug hierher lässt sich also gut mit einem Mittagessen verbinden, bevor es weiter an den See oder ins Allgäu geht.
Mit dem Bus zur Insel, mit dem Rad ins Allgäu
Die Lage zwischen See und Hügelland macht den Gitzenweiler Hof zu einem Ausgangspunkt für beide Richtungen. Direkt am Platz hält ein Bus, der nach Angaben der Stadt Lindau im Halbstundentakt fährt; mit der Echt Bodensee Card nutzen Gäste den Nahverkehr kostenlos. In wenigen Minuten ist damit die Insel mit Hafen, Löwe und Leuchtturm erreicht, die der Lindau-Reiseführer ausführlich beschreibt.
Nach Nordosten geht es ins Westallgäu. Dort liegen die drei Außenstandorte der Gartenschau 2021, der nächste davon ist die Versuchsstation für Obstbau in Schlachters in der Nachbargemeinde Sigmarszell. Die Übersicht aller Ausflugsziele rund um Lindau listet die Wasserfälle in Scheidegg, die Hausbachklamm in Weiler und die Orte am Festlandufer mit Anfahrt und Besonderheiten. Für Radtouren bezeichnet sich der Campingpark selbst als idealen Ausgangspunkt. E-Bikes lassen sich direkt am Platz leihen, und für eigene Räder gibt es Abstellmöglichkeiten, was bei einer Tour hinauf nach Scheidegg den Unterschied macht: Der Ort liegt auf 804 Metern, gut 300 Meter höher als der Campingpark.
Häufige Fragen
Wo liegt der Gitzenweiler Hof?
Der Gitzenweiler Hof ist ein Gemeindeteil der Stadt Lindau (Bodensee) in der Gemarkung Oberreitnau, etwa viereinhalb Kilometer nördlich der Insel auf rund 480 Metern Höhe. Die Adresse des Campingparks lautet Gitzenweiler 88, 88131 Lindau. Direkt am Platz hält ein Bus, der nach Angaben der Stadt Lindau im Halbstundentakt fährt, sodass die Insel auch ohne Auto gut erreichbar ist.
Welche Rolle spielte der Gitzenweiler Hof bei der Gartenschau 2021?
Er war offizieller Gastgeber-Partner der Gartenschau Lindau 2021. Auf dem Gelände entstand in unmittelbarer Nähe der Uferstufen der „GITZ-Beach“, eine Ruhezone mit Liegen, Sand und Blick über den See. Außerdem legte der Campingpark an der Schützinger Promenade einen Kräutergarten zum Probieren an, als Gegenstück zu seinem eigenen Bio-Schaugarten in Gitzenweiler.
Können Tagesgäste den Gitzenweiler Hof besuchen?
Ja, aber nicht unangemeldet. Nach Angaben des Campingparks müssen Tagesbesucher sich im Voraus an der Rezeption anmelden; die Preise stehen in der aktuellen Preisliste (Stand 09/2026). Das Wirtshaus mit bayerisch-schwäbischer Küche ist ganzjährig geöffnet. Pizzeria und Imbiss arbeiten laut Stadt Lindau saisonal, etwa von Ende März bis Anfang November.
Gibt es am Gitzenweiler Hof noch das Freibad?
Nein. Das große Freibad, 1972 mit rund 800 Kubikmetern Wasser gebaut, wurde 2025 dauerhaft geschlossen. Statt einer reinen Sanierung soll der Eingangsbereich neu gestaltet werden, mit bepflanzten Aufenthaltsbereichen. Für die Zeit ab 2028 plant der Campingpark ein neues Gebäude mit modernen Sanitärbereichen, einem Wirtshaus mit Terrasse und flexiblen Aufenthaltsräumen.
Welche Tiere gibt es am Gitzenweiler Hof?
Den früheren Streichelzoo gibt es nicht mehr. Tiere erleben Kinder heute am Ponyhof auf dem Gelände, der Ponys zum Ausleihen, Reitstunden und geführte Ausritte anbietet; die Zeiten hängen vor Ort aus. Dazu kommt der Bio-Schaugarten, in dem Kräuter und Gemüse angeschaut, angefasst, gerochen und probiert werden dürfen. Hunde sind auf dem Campingplatz nach Anfrage erlaubt.
Welche Ausflüge lassen sich vom Gitzenweiler Hof aus machen?
Die Insel Lindau ist mit dem Bus oder dem Rad schnell erreicht. Richtung Allgäu liegen die Außenstandorte der Gartenschau 2021 nicht weit entfernt: die Versuchsstation für Obstbau in Schlachters, die Scheidegger Wasserfälle und die Hausbachklamm in Weiler. Am Platz werden E-Bikes verliehen, und mit der Echt Bodensee Card fahren Gäste im Nahverkehr kostenlos.
Quellen
- Stadt Lindau Tourismus: Campingpark Gitzenweiler Hof
- Campingpark Gitzenweiler Hof: Geschichte
- Campingpark Gitzenweiler Hof: Wissenswertes von A bis Z
- Campingpark Gitzenweiler Hof: Aktivitäten am GITZ
- Tourstory: Vom Herrenhaus zum Wirtshaus am Gitzenweiler Hof
- Wikipedia: Gitzenweiler
Stand der Angaben: September 2026.