Schützinger Weg Lindau: vom Uferpfad zur Promenade der Gartenschau
Bis 2019 war der Schützinger Weg ein schmaler, schattiger Pfad zwischen Bahngelände und See. Für die Gartenschau 2021 wuchs er zu einer Promenade von rund 25 Metern Breite, mit alten Kastanien, neuen Kirschbäumen und Spuren der Eisenbahn im Boden. Heute ist er der erste Abschnitt des Uferwegs um die Hintere Insel und eine der freien Badestellen der Stadt.

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Südufer, vom Hafen bis zur Karlsbastion
Auf rund 25 Meter verbreiterte Promenade
Uferweg und freie Badestelle
Drei Namen für ein Stück Ufer
Schützingerweg, Schützinger Weg, Schützinger Promenade: Wer über den Schützinger Weg Lindau liest, begegnet allen drei Schreibweisen, oft auf derselben Seite. Die Stadtverwaltung schreibt das Wort meist zusammen, die Planer der Gartenschau trennten es, und seit dem Umbau hat sich für den breiten Abschnitt am Wasser der Name Promenade eingebürgert. Gemeint ist immer derselbe Uferstreifen am Südrand der Hinteren Insel.
Der Weg beginnt beim Hafen an der Leuchtturmmole und läuft nach Westen, vorbei an der Eilguthalle, bis zur Karlsbastion. Dort geht er in den Luitpoldpark über. Auf der einen Seite liegt der See mit Blick über das Wasser auf die Berge, auf der anderen das frühere Bahngelände, das nach und nach zu einem neuen Stadtquartier werden soll.
Woher der Name kommt, war 2021 übrigens eine der Fragen, die der Audioguide „Fairführer“ auf dem Gartenschaugelände beantwortete. Diese Seite lässt die Frage offen, weil sich die Herkunft nicht verlässlich belegen ließ.
Wo früher die Eisenbahner arbeiteten
Die Hintere Insel war über lange Zeit Bahnland. Gleisfelder, Lokschuppen und eine Rotunde, also ein runder Lokschuppen mit Drehscheibe, prägten das Gelände hinter dem Uferweg. Der schmale Pfad am Wasser war eher eine Restfläche zwischen Betriebsgelände und See als ein Ort zum Spazierengehen. Er galt als dunkel, eng und wenig einladend.
Das änderte sich erst, als die Bahn ihre Anlagen neu ordnete. Seit Dezember 2020 halten Fernzüge im neuen Bahnhof Lindau-Reutin auf dem Festland, während der Inselbahnhof als Kopfbahnhof für den Regionalverkehr bleibt. Diese sogenannte Zwei-Bahnhofs-Lösung machte Flächen auf der Hinteren Insel frei, und die Gartenschau nutzte sie, um das Ufer neu zu ordnen.
Aus zwei Metern werden 25
Die Zahl, die den Umbau am besten beschreibt: Der frühere Weg war etwa zwei Meter breit, die neue Promenade misst rund 25 Meter. Bei einer Baustellenführung im November 2019 war noch von 20 bis 25 Metern die Rede, die Stadt meldete im April 2020 die volle Breite. Aus einem Durchgang wurde damit ein Aufenthaltsort mit Platz für Bänke, Bäume und Menschen, die einfach stehen bleiben und auf den See schauen.
Die Bauarbeiten begannen Ende Oktober 2019 und liefen unter archäologischer Begleitung. Das war auf diesem Boden keine Formalität. Alles, was an historischer Bahntechnik zum Vorschein kam, wurde dokumentiert und so weit wie möglich in die Promenade eingebaut. Prellböcke, eine Wartungsgrube und Schienen im Boden sind bis heute zu sehen, weil die Gartenschau ausdrücklich einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft schlagen wollte.
Als Belag wählten die Planer eine wassergebundene Wegedecke statt Asphalt. Dahinter beginnt der etwa fünf Meter breite Inselrundweg, der bis zur Thierschbrücke führt. Im Frühjahr 2020 wurde ein Fundament für Tischtennisplatten gegossen, und die Fläche wurde von Anfang an so gestaltet, dass sie auch später den Bewohnern des geplanten Wohnviertels dient. Finanziert wurden Verbreiterung und Inselweg aus der Städtebauförderung von 2,2 Millionen Euro, einem der beiden Fördertöpfe der Gartenschau.

Kastanien, Kolchischer Ahorn und 25 neue Bäume
Bei jeder Führung kam dieselbe Frage: Werden Bäume gefällt? Die Antwort der Bauleitung lautete nein. Die seltenen Kolchischen Ahorne blieben ebenso stehen wie die mächtigen Rosskastanien. Beide Arten wechseln sich am Ufer ab und bilden zusammen mit den Neupflanzungen eine Allee.
Ende März 2020 setzte die Firma Börner 25 Ahorn- und Kirschbäume mit großen Erdballen in Pflanzgruben, die mit Baumsubstrat gefüllt, bewässert und belüftet wurden. Die neue Reihe soll gemeinsam mit dem alten Bestand ein grünes Band bilden, auch mit Blick auf die spätere Bebauung. Kirschbäume wurden bewusst gewählt: Sie gelten als Frühlingssymbol und bieten Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum.
Der Schützinger Weg Lindau zur Gartenschau 2021
Ganz reibungslos lief die Öffnung nicht. Ab April 2020 war zunächst ein zwei Meter breiter Streifen zwischen Eilguthalle und Karlsbastion wieder begehbar, damit die Lindauer ihren Uferweg nicht ein ganzes Jahr entbehren mussten. Wegen der Corona-Ausgangsregeln blieb auch das eine Zeit lang Theorie. Später musste der Weg noch einmal gesperrt werden, weil der Bau des Südeingangs und der Ausstellungsflächen begann.
Während der Gartenschau vom 20. Mai bis 10. Oktober 2021 war der Schützinger Weg dann das Eingangstor für alle, die vom Hafen oder mit dem Schiff kamen. Der Eingang Süd mit seinen Kassen lag in der Nähe der Eilguthalle. Entlang der Promenade stand eine der Gastronomien, als kleiner Markt mit Ständen für regionale Produkte zum Essen und Mitnehmen angelegt. Außerdem gab es Gewächshäuser für Ausstellungsbeiträge.
Für die Gartenschau 2021 war diese Seite des Geländes besonders wichtig, weil hier die Gäste vom Wasser ankamen. Die Bodensee-Schiffsbetriebe verkauften ab dem 30. Juni 2021 ein Kombiticket aus Schifffahrt und Eintritt, das nur an einem Tag galt. Zur Schlussbilanz meldete die Gartenschau, dass mehr als 12.000 Besucher die Kombitickets mit Schiff und Bahn genutzt hatten. Wer mit dem Schiff kam, konnte direkt am Schützinger Weg ins Gelände gehen, ohne vorher durch die Stadt zu laufen.
Schon im Jahr zuvor war die Eilguthalle am Anfang der Promenade der übliche Treffpunkt für die Baustellenführungen. Von dort aus zeigte das Ausstellungsteam im September 2020, wo die Kassen stehen und die Gastronomie ihren Platz finden würde.
Am Nachmittag des 29. Juni 2021 zog ein Sturm über das Gelände. Äste brachen, Bauzäune fielen um, und die Gewächshäuser am Schützinger Weg wurden erheblich beschädigt. Die Gartenschau öffnete am folgenden Tag erst um 12 Uhr, nachdem das Team aufgeräumt und die Bäume auf Standfestigkeit geprüft hatte. Verletzt wurde niemand.

Der Schützinger Weg Lindau heute
Seit dem 30. Oktober 2021 ist die Promenade wieder öffentlich. Der Rückbau der Gartenschau war in diesem Bereich bis auf Restarbeiten abgeschlossen, und der Uferweg ließ sich ab der Eilguthalle über Schützinger Promenade, Karlsbastion und Luitpoldpark bis zum Bürgerpark und zur Thierschbrücke wieder komplett begehen.
Heute führt die Stadt Lindau den Schützingerweg als eine von vier frei zugänglichen Badestellen auf der Insel; alle Bäder und Badestellen im Überblick stehen unter Baden in Lindau. Damit ist das Ufer hier nicht mehr nur Kulisse. Wer im Sommer an einem warmen Nachmittag vorbeikommt, sieht Menschen auf den Bänken, am Ufer und im Wasser. Die Kastanien spenden Schatten bis an die Uferkante, was an Hitzetagen viel wert ist.
Der Weg ist der östliche Auftakt einer ganzen Kette von Bereichen, die zur Gartenschau neu gestaltet wurden. Direkt im Anschluss folgt die Karlsbastion, danach der Luitpoldpark und der Bürgerpark. Wie sich die sechs Abschnitte zu einem Parkband fügen, erklärt die Seite zum Konzept der Gartenschau Lindau.
Wer auf den Bänken sitzt
Die Sitzmöbel an der Promenade haben eine kleine Geschichte. Die Gartenschau bot 2021 Patenschaften für Bäume und Bänke an, für Mammutbaum, Ahorn, Kirsche, Hainbuche und Tulpenbaum ebenso wie für neue Parkbänke an der Schützinger Promenade und im Luitpoldpark. Eine Baumpatenschaft kostete damals 1.100 Euro, eine Bankpatenschaft 1.500 Euro, und die Paten wurden mit einem Schild gewürdigt. Wer genau hinsieht, findet deshalb an manchen Bänken Namen. Die Patenschaften sollten ausdrücklich auch Privatleuten, Vereinen und Firmen offenstehen, als Geschenk zur Hochzeit oder zum runden Geburtstag. Die Schilder waren ein Hinweis darauf, dass die Möblierung der Gartenschau 2021 zum Teil von Menschen aus der Region mitbezahlt wurde.
Praktisch gesehen ist der Schützinger Weg der einfachste Zugang zur Hinteren Insel. Vom Bahnhof Lindau-Insel und vom Hafen sind es nur wenige Schritte; wer mit dem Auto anreist, findet Hinweise unter Parken in Lindau. Der Weg ist eben und breit, mit Kinderwagen und Rollstuhl gut befahrbar, und er endet nicht, sondern geht einfach weiter: nach Westen zur Bastion, oder zurück nach Osten zum Löwen an der Hafeneinfahrt.
Häufige Fragen
Wo verläuft der Schützinger Weg in Lindau?
Der Schützinger Weg liegt am Südufer der Hinteren Insel. Er beginnt im Bereich des Hafens und der Leuchtturmmole und führt am Wasser entlang über die Eilguthalle bis zur Karlsbastion, an die der Luitpoldpark anschließt. Damit ist er der östliche Einstieg in den Uferweg, der die gesamte Hintere Insel umrundet und zur Thierschbrücke führt.
Was hat sich am Schützinger Weg Lindau zur Gartenschau 2021 verändert?
Der Weg war vorher etwa zwei Meter breit und wurde zu einer Promenade von rund 25 Metern Breite ausgebaut. Die seltenen Kolchischen Ahorne und die großen Kastanien blieben stehen, Ende März 2020 kamen 25 Ahorn- und Kirschbäume hinzu. Außerdem erhielt der Weg eine wassergebundene Decke, neue Bänke und ein Fundament für Tischtennisplatten. Bezahlt wurde das aus der Städtebauförderung.
Warum heißt es mal Schützinger Weg, mal Schützinger Promenade?
Beide Namen meinen denselben Uferabschnitt. Die Stadt schreibt meist Schützingerweg in einem Wort, die Gartenschau-Planung sprach vom Schützinger Weg und nach dem Ausbau von der Schützinger Promenade. Der neue Name beschreibt den Unterschied zum alten Zustand: Aus einem schmalen Weg wurde ein breiter Streifen zum Flanieren, Sitzen und Verweilen am See.
Kann man am Schützinger Weg in Lindau baden?
Ja. Die Stadt Lindau nennt den Schützingerweg ausdrücklich als eine der frei zugänglichen Uferstellen auf der Insel, an denen man in den Bodensee gehen kann, neben der Hinteren Insel, der Oskar-Groll-Anlage und der Gerberschanze. Es handelt sich um eine offene Uferstelle ohne Eintritt, kein abgegrenztes Strandbad. Wer mit Kindern kommt, findet an den Uferstufen weiter westlich einen flacheren Einstieg.
Welche Spuren der Eisenbahn sind am Schützinger Weg zu sehen?
Beim Bau wurden Prellböcke, eine Wartungsgrube und Schienen im Boden bewusst erhalten und in die Promenade eingebaut. Die Arbeiten liefen unter archäologischer Begleitung, alle Funde zur historischen Bahntechnik wurden dokumentiert. Sie erinnern daran, dass auf der Hinteren Insel über Jahrzehnte Gleisanlagen, Lokschuppen und eine Rotunde der Eisenbahner standen.
Wie lange dauerte der Umbau des Schützinger Wegs?
Die Arbeiten begannen Ende Oktober 2019. Ab April 2020 war ein etwa zwei Meter breiter Streifen zwischen Eilguthalle und Karlsbastion wieder begehbar, später wurde der Weg für den Bau des Südeingangs noch einmal gesperrt. Während der Gartenschau vom 20. Mai bis 10. Oktober 2021 lag er im Ausstellungsgelände. Seit dem 30. Oktober 2021 ist er wieder frei zugänglich.