Hoyerbergschlössle Lindau: Ausflug zum Belvedere von 1854 am Hoyerberg
Seit 2012 ist das Ausflugslokal auf dem Hoyerberg geschlossen, doch die Aussicht über Insel, See und Alpen ist geblieben. Das Belvedere von 1854 hat Kaufleute, eine Gemeinde, Gourmetgäste und Staatsbesuch erlebt, stand kurz vor dem Verkauf und wird nun saniert. Diese Seite erzählt die Geschichte und sagt, was man dort heute sehen kann.

Region Westallgäu · Bodensee
Geschlossene Türen, offene Aussicht
Wer heute auf den Hoyerberg steigt, steht vor einem leeren Haus. Das Hoyerbergschlössle Lindau ist seit 2012 geschlossen, die Fenster sind dunkel, eine Terrasse mit Bewirtung gibt es derzeit nicht. Trotzdem lohnt der Weg. Der Hügel erhebt sich etwa 70 Meter über den Bodensee, und von oben reicht der Blick über die Lindauer Insel und den See bis zu den nördlichen Alpen. Die Stadt Lindau nennt den Ort einen besonderen Aussichtspunkt, und Fotografen kommen seinetwegen.
Das Gebäude selbst ist auf dem Weg zurück. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG hat es übernommen und bereitet eine Sanierung vor, die das Schlössle wieder zu einem Café mit Außenbereich machen soll. Bis es so weit ist, bleibt der Besuch ein Spaziergang mit Aussicht und Geschichte.
Vom Weinberg zum Belvedere
Der Hoyerberg ist ein Hügel aus der letzten Eiszeit, ein Drumlin, den der Gletscher hinterlassen hat. Er liegt im Stadtteil Hoyren, zwischen Schachen im Süden und Schönau im Norden. Seine sonnigen Hänge waren lange vor allem mit Reben bepflanzt, bis die Reblaus den europäischen Weinbau verwüstete. Am Fuß des Hügels steht noch ein Torkel, ein Presshaus aus dem Jahr 1578.
Um 1850 erwarb der Lindauer Kaufmann Adolf Gruber den östlichen Teil des Hoyerbergs mit Weinbergen und Torkel. Seine Schwester Dora Gruber ließ am höchsten Punkt ein Belvedere errichten, also ein Gebäude, das vor allem der Aussicht dient. Den Entwurf lieferte der Schweizer Baumeister Johann Christoph Kunkler. 1854 war der Bau fertig, und Dora Gruber schenkte ihn ihrem Bruder. Der Bautyp war im 19. Jahrhundert beliebt, gerade an Seen und auf Hügeln, wo die Lage selbst der eigentliche Luxus war.
Das Auffälligste ist der Turm. Mit 15 Metern Höhe, offenem Obergeschoss und flachem Dach erinnert er an italienische Villenarchitektur, und ihm verdankt das Haus seinen Namen: Obwohl es nie ein Adelssitz war, nannten die Lindauer es Schlössle. Im ersten Stock gab es einen Festsaal, im Übrigen diente das Gebäude dem Weinbau. Die Wikipedia führt es auch unter dem Namen Gruberschlösschen. Heute steht es teilweise unter Denkmalschutz.
Im 19. Jahrhundert wurde der Hoyerberg zu einer bevorzugten Lage für Villen wohlhabender Familien. Das Schlössle gehört in diese Zeit, ebenso wie der Lindenhofpark am Villenufer, dessen Villa ab 1842 ein anderer Lindauer Kaufmann namens Gruber bauen ließ.
Wie das Schlössle an die Stadt kam
Die Geschichte des Hoyerbergschlössle Lindau als öffentliches Gebäude beginnt im Ersten Weltkrieg. 1917 kaufte die damals selbstständige Gemeinde Hoyren das Schlössle von der Familie Gruber, zum Teil finanziert durch Spenden aus der Bürgerschaft. Damit begann eine Geschichte, in der die Menschen am Hoyerberg das Gebäude immer wieder als ihres betrachteten. Als Hoyren Anfang der 1920er-Jahre nach Lindau eingemeindet wurde, ging das Schlössle in den Besitz der Stadt über. Über das genaue Jahr der Eingemeindung weichen die Quellen um ein Jahr voneinander ab.

Ein Jahrhundert Ausflugslokal
Ab 1926 wurde im Schlössle ein Tagescafé betrieben. Aus dem Aussichtspunkt eines Kaufmanns wurde so ein Ziel für Sonntagsausflüge, und Postkarten zeigten die Terrasse mit Blick auf See und Insel. Von 1979 bis 2012 war es ein Gourmetrestaurant. Zu seinen bekanntesten Gästen gehörten 1993 der damalige Bundeskanzler und der französische Staatspräsident.
2012 schloss das Restaurant. Seitdem steht das Gebäude leer, und für viele Lindauer ist dieser Zustand zu einem Dauerthema geworden. Ein Denkmal ohne Nutzung verliert mit jedem Winter an Substanz, und ein Ausflugslokal ohne Wirt ist nur noch eine Erinnerung.
Der Förderverein und die Gartenschau 2021
Als die Stadt Lindau erwog, das Schlössle zu verkaufen, regte sich Widerstand. Anfang 2019 gründete sich ein Förderverein, der ein klares Ziel formulierte: Die Stadt solle das Gebäude nicht verkaufen, sondern selbst sanieren und wieder dauerhaft öffentlich und bürgerfreundlich nutzbar machen. Der Verein bot an, dabei zu helfen, und bemühte sich im Sinne der Bürgerbeteiligung an einem Denkmalprojekt um Fördermittel.
In dieser Phase kam das Schlössle zur Gartenschau. Im März 2021, wenige Wochen vor der Eröffnung am 20. Mai, erhielt es eine eigene Seite in der Reihe „Die Region macht mit“, als siebter Außenstandort neben den sechs Stationen, die schon seit Ende 2019 im Programm standen; alle sind im Überblick über die Ausflugsziele rund um Lindau beschrieben. Anders als die anderen Außenstandorte bekam es kein eigenes Gefühl zugeordnet. Die Gartenschau stellte das Kulturdenkmal vor, verwies auf den Förderverein und zeigte eine historische Aufnahme des Schlössles aus dem Jahr 1854 sowie eine alte Postkartenansicht der Terrasse.
Für den Verein war das eine Bühne in einem Sommer, in dem Lindau so viele Gäste hatte wie selten. Die Gartenschau 2021 zählte bis zum Ende am 10. Oktober 287.482 Besucher; wie die Stadt nach der Gartenschau über das Schlössle entschied, zeigt der nächste Abschnitt. Mehr über die Schau selbst steht auf der Seite zur Gartenschau Lindau 2021.

Hoyerbergschlössle Lindau: Erbbaurecht, Genehmigung, Förderung
Am 19. Juli 2023 beschloss der Stadtrat, der GWG das Schlössle in Erbbaurecht für 66 Jahre zu überlassen. Der Vertrag sieht eine überwiegend gastronomische Nutzung mit öffentlicher Zugänglichkeit vor und verpflichtet zum Schutz des Denkmals. Die Stadt Lindau meldete das unter der Überschrift „Hoyerbergschlössle ist gerettet“. Ende Januar 2024 wurde der Vertrag notariell beurkundet, und auch ein künftiger Betreiber war gefunden.
Gemessen an dem, was der Förderverein 2019 gefordert hatte, ist das ein Kompromiss, aber einer, der die Kernforderung erfüllt. Verkauft wurde das Schlössle nicht. Es bleibt über das Erbbaurecht an die Stadt gebunden, und saniert wird es von einem Unternehmen, das der Stadt gehört. Die öffentliche Zugänglichkeit ist vertraglich festgeschrieben, wenn auch in Form eines Gastronomiebetriebs und nicht als Bürgerhaus.
Seither geht es langsamer voran als geplant. Die GWG hatte gehofft, nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens im Januar 2025 mit der eigentlichen Sanierung zu beginnen. Gutachten zur Baugeschichte, zu den Raumstrukturen und zur Natursteinfassade wurden mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt. Bei einem Baudenkmal muss zuerst geklärt werden, welche Teile aus welcher Zeit stammen und was davon erhalten bleiben soll. Im Februar 2026 nahm das Landesamt das Schlössle in die Planungsliste für ein Förderverfahren auf.
Nach einem Bericht der Schwäbischen Zeitung vom 4. Juni 2026 liegt die Baugenehmigung vor, die Kosten werden auf rund zwei Millionen Euro geschätzt, und Baufirma und Architekturbüro sollten in Kürze beauftragt werden. Ein Fertigstellungstermin ist nicht genannt. Während der Saison 2025 stand auf dem Gelände vorübergehend ein Foodtruck; während der Bauarbeiten wird dieses Angebot nicht fortgesetzt.
Ausflug auf den Hoyerberg: was heute geht
Das Hoyerbergschlössle Lindau steht an der Hoyerbergstraße 64 in 88131 Lindau. Das Gebäude ist nicht zugänglich, der Hügel mit seiner Aussicht schon.
Die Stadt nimmt den Hoyerberg in ihren Gartenkulturpfad auf, eine Reihe kuratierter Spaziergänge durch die Grünanlagen von Insel und Festland. Die Route am Hoyerberg führt an Villen, Weinbergen und Obstwiesen vorbei und verbindet sich gut mit einem Besuch des Lindenhofparks. Wer zusätzlich Stadtgeschichte sucht, findet im Stadtteil Aeschach den Alten Friedhof aus dem 16. Jahrhundert. Das Gegenstück zum Blick von oben liefert der Beobachtungssteg an der Reutiner Bucht östlich der Insel: Dort steht man auf Seehöhe im Schilf und blickt flach über das Wasser, ein ebenso stiller, aber ganz anderer Ausflug.
Wer über den Fortgang der Sanierung auf dem Laufenden bleiben will, findet Neuigkeiten beim Förderverein und in der Lokalpresse. Ob die Terrasse, die auf den alten Postkarten zu sehen ist, schon im nächsten oder erst im übernächsten Sommer wieder Gäste empfängt, lässt sich im Herbst 2026 noch nicht sagen.
Häufige Fragen
Ist das Hoyerbergschlössle Lindau geöffnet?
Nein, das Gebäude steht seit 2012 leer und ist nicht zugänglich. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG bereitet eine denkmalgerechte Sanierung vor; laut Schwäbischer Zeitung vom Juni 2026 liegt die Baugenehmigung vor. Ein Eröffnungstermin für das geplante Café mit Außenbereich ist nicht bekannt. Den Hoyerberg und die Aussicht kann man trotzdem besuchen.
Wann wurde das Hoyerbergschlössle gebaut?
Das Schlössle entstand als Belvedere und war 1854 fertig. Bauherrin war Dora Gruber, die es nach der Wikipedia vom Baumeister Johann Christoph Kunkler am höchsten Punkt des Hügels errichten ließ und ihrem Bruder Adolf Gruber schenkte. Er hatte kurz zuvor den östlichen Teil des Hoyerbergs mit Weinbergen und einem Torkel aus dem Jahr 1578 erworben.
Warum heißt das Gebäude Schlössle, wenn es kein Schloss ist?
Der Name kommt vom 15 Meter hohen Turm mit offenem Obergeschoss und flachem Dach, der an italienische Villen erinnert. Laut der Tourismusseite der Stadt Lindau brachte er dem Wohnhaus den volkstümlichen Namen Schlösschen ein, obwohl es nie ein Adelssitz war. Die Wikipedia nennt als weiteren Namen Gruberschlösschen, nach der Familie der Erbauer.
Wem gehört das Hoyerbergschlössle heute?
Eigentümerin ist die Stadt Lindau, seit die Gemeinde Hoyren eingemeindet wurde, die das Schlössle 1917 von der Familie Gruber gekauft hatte. Der Stadtrat beschloss 2023 einen Erbbaurechtsvertrag mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG über 66 Jahre. Die GWG saniert das Gebäude und soll eine überwiegend gastronomische, öffentlich zugängliche Nutzung sicherstellen.
Wie hoch ist der Hoyerberg?
Der Hoyerberg ist ein eiszeitlicher Moränenhügel, der sich nach Angaben der Stadt Lindau und der Wikipedia etwa 70 Meter über den Bodensee erhebt. Er liegt im Stadtteil Hoyren zwischen Schachen im Süden und Schönau im Norden. Früher war er vor allem mit Reben bepflanzt; ein historischer Torkel am Fuß des Hügels erinnert an den Weinbau.
Welche Rolle spielte das Hoyerbergschlössle bei der Gartenschau 2021?
Das Schlössle kam im März 2021, wenige Wochen vor der Eröffnung, als eigener Außenstandort in die Reihe „Die Region macht mit“. Gebaut oder geöffnet wurde dafür nichts. Die Gartenschau stellte das Kulturdenkmal und das Engagement des Fördervereins vor, der sich seit 2019 gegen einen Verkauf und für eine öffentliche Nutzung einsetzte.