Lindau 2021 Gartenschau · Insel · See
Gartenkunst am See

Lindenhofpark Lindau: Ausflug in den Landschaftsgarten am Villenufer

Ein Kaufmann, der in Italien reich geworden war, ein Münchner Architekt und ein Düsseldorfer Gartenkünstler schufen in Bad Schachen einen Park, der bis heute den Maßstab am Lindauer Ufer setzt. Seit 1956 gehört er der Stadt. Zur Gartenschau 2021 stand er für „Bewunderung“, und inzwischen sind Beete, Brunnen und Nutzgärten des 19. Jahrhunderts wieder da.

Alte Bäume und eine Bank am Ufer im Lindenhofpark in Lindau-Schachen
Ausflugab Lindau (Bodensee)
Region Westallgäu · Bodensee
Lindenhofpark, 2010 · Foto: Böhringer, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5

Ein Kaufmann aus Italien baut am Lindauer Ufer

Friedrich Gruber, geboren 1805, stammte aus Lindau und hatte als Handelsherr in Italien Ansehen und Vermögen erworben. Um 1840 wollte er sich in der Heimatstadt einen Sitz schaffen, der mit den Gärten europäischer Höfe mithalten konnte, und sparte dabei nicht an den Namen. Der Lindenhofpark Lindau, wie er heute heißt, ist das Ergebnis dieser Ambition: Gruber beauftragte den Münchner Architekten Franz Jakob Kreuter mit einer herrschaftlichen Villa direkt am See. Gebaut wurde laut der Stadt Lindau von 1842 bis 1845.

Lange genießen konnte Gruber das Anwesen nicht. Er starb 1850, nur wenige Jahre nach der Fertigstellung.

Die Lage in Bad Schachen gehört zum sogenannten Villenufer, dem Uferstreifen westlich der Insel, an dem sich im 19. Jahrhundert wohlhabende Familien ansiedelten. Unter all diesen Anwesen gilt der Lindenhof als das bedeutendste, und das liegt vor allem am Park.

Weyhes Landschaftsgarten auf vierzig Obstgärten

Für die Gartengestaltung gewann Gruber Maximilian Friedrich Weyhe, einen der renommierten Gartenkünstler seiner Zeit. Weyhe, 1775 geboren und in Düsseldorf tätig, fand ein Gelände vor, das aus rund vierzig Obst- und Weingärten bestand. Daraus formte er einen Landschaftsgarten von 7,5 Hektar mit geschwungenen Wegen, künstlich aufgeschütteten Hügeln, Bächen und kleinen Wäldchen. Er selbst sah das Ergebnis nicht mehr lange, denn er starb 1846.

Typisch für den Park ist die Mischung zweier Gartenideen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beschreibt ihn als spätklassizistische Anlage, die Merkmale des englischen Landschaftsgartens mit formalen Elementen verbindet: Alleen, geometrisch angelegte Plätze und Beete stehen neben frei modellierten Partien, die natürlich wirken sollen und doch vollständig geplant sind. Zum Ensemble gehören außer der Villa auch Wirtschaftsgebäude und Gewächshäuser.

Weyhe hatte zu dieser Zeit schon ein Lebenswerk hinter sich. In Düsseldorf war er ab 1804 Hofgärtner und ab 1833 Königlicher Gartendirektor; sein Hauptwerk ist die Erweiterung des dortigen Hofgartens, dazu kommen Parks wie der von Schloss Benrath. Der Lindauer Auftrag gehörte zu seinen späten Arbeiten. Dass ein Kaufmann aus einer Kleinstadt am Bodensee ihn dafür gewinnen konnte, sagt einiges über Grubers Vermögen und seinen Anspruch.

Die Villa Lindenhof und die Friedensräume

Die Villa ist nicht als Schlossmuseum eingerichtet. In ihrem Ostflügel sind seit Jahrzehnten die Friedensräume untergebracht, ein Museum der katholischen Friedensbewegung pax christi im Bistum Augsburg. Es ging aus einem Friedensmuseum hervor, das 1980 gegründet wurde, und erhielt 2001 ein neues Konzept als „museum in Bewegung“.

Statt Vitrinen gibt es Räume, die zum Mitmachen gedacht sind, darunter ein Lesezimmer, ein Hörraum und ein Entscheidungsraum. Die Themen sind Frieden und Gerechtigkeit, gesellschaftlich wie persönlich. 2006 wurde das Haus als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet, 2017 folgte ein Preis der Ike und Berthold Roland Stiftung für soziales Engagement.

Die Friedensräume sind nur in der Saison geöffnet. 2026 begann sie am 19. April; geöffnet ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, montags ist geschlossen. Der Eintritt für Erwachsene beträgt nach Angaben der Tourismusseite 5 Euro (Stand 2026). Die Adresse lautet Lindenhofweg 25.

Bänke an der Ufermauer im Lindenhofpark mit Blick auf den Bodensee
Lindenhofpark, 2010 · Foto: Böhringer, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5

Was im Park heute zu sehen ist

Der Park hat keine vorgegebene Route. Wer sich an den Elementen orientiert, die der Förderverein und die Stadt in den vergangenen Jahren wiederhergestellt haben, sieht am meisten:

  • Die Villa Lindenhof, der Bau von Franz Jakob Kreuter aus den Jahren 1842 bis 1845, mit dem Museum im Ostflügel.
  • Die Laubengänge, die der Förderverein nach historischem Vorbild rekonstruiert hat.
  • Die Nutzgärten mit Pergolen, im 19. Jahrhundert großzügig angelegt und bei der Restaurierung wieder aktiviert.
  • Die Schmuckbeete und die zwei Brunnen, die nach Jahrzehnten der Vereinfachung an ihren Platz zurückgekehrt sind.
  • Die modellierte Landschaft mit Hügeln, Bächen und Wäldchen, die Weyhe aus flachen Obstgärten formte.

Der Lindenhofpark Lindau ist also kein Blumengarten, der nur zur Saison lohnt. Seine Struktur aus Wegen, Gehölzen und Geländeformen trägt auch im Winter, wenn die Beete leer sind.

Von 1956 bis heute: verloren, wiederhergestellt

Seit 1956 gehört die gesamte Anlage der Stadt Lindau, und seitdem ist sie öffentlich. Über hundert Jahre lang war der Lindenhof zuvor ein privates Anwesen gewesen. Den öffentlichen Park, den viele in Lindau für selbstverständlich halten, gibt es also erst seit rund siebzig Jahren. Ganz unbeschadet überstand der Park diese Zeit nicht. In den 1960er-Jahren ging nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die unmittelbare Umgebung der Villa verloren, als Teile des Geländes zum Badebereich wurden. Heute liegt dort, am Westeingang des Parks, das Lindenhofbad.

Die Kehrtwende kam über Jahrzehnte und vor allem durch bürgerschaftliches Engagement. Der Förderverein Gartendenkmal Lindenhofpark unterstützt die Stadt bei Pflege und Erhalt und hat unter anderem historische Laubengänge rekonstruiert. Mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz folgten Restaurierungen in den Jahren 2017/18 und 2022. Dabei wurden Schmuckbeete reaktiviert, die ursprünglich großzügigen Nutzgärten mit Pergolen neu angelegt, Wege und geometrische Gartenpartien instand gesetzt und zwei Brunnen zurückgeholt, die in den 1960er-Jahren entfernt worden waren.

Schon vor der Gartenschau hieß es in der Beschreibung des Parks, der Westteil werde gerade rekonstruiert. Wer den Lindenhof aus früheren Jahren kennt, findet ihn deshalb heute etwas anders vor: ordentlicher im Detail und näher an dem, was Weyhe im Sinn hatte.

Wiese mit alten Bäumen im Lindenhofpark
Lindenhofpark · Foto: Daderot, Wikimedia Commons, Public domain

Der Lindenhofpark Lindau als Station der Gartenschau 2021

Für die Gartenschau „Natur in Lindau 2021“ war der Park einer von sieben Außenstandorten der Reihe „Die Region macht mit“. Jeder Ort bekam ein Gefühl zugeordnet, und für den Lindenhof lautete es Bewunderung. Die Beschreibung von damals lobte das Nebeneinander von blühenden Bäumen, abgezirkelten Wegen, großen Blumenbeeten und gepflegten Rasenflächen.

Gebaut hat die Gartenschau 2021 im Park nichts. Seine Rolle war die eines Vorbilds. Der Veranstalter stellte ihn als Beispiel dafür vor, wie ein Garten über Generationen die Lebensqualität einer Stadt prägen kann, und wollte die Hintere Insel mit Bürgerpark und Uferstufen genau in diese Tradition stellen. Wie das auf der Insel aussah, beschreibt die Seite zum Konzept der Gartenschau. Im digitalen Reiseführer „Fairführer“ gehörte der Park zu den Stationen, die per Audio vorgestellt wurden.

Die übrigen Außenstandorte, von der Hausbachklamm bis zum Hoyerbergschlössle, sind im Überblick über die Ausflugsziele rund um Lindau versammelt.

Den Ausflug planen: Anfahrt, Wege, Kombinationen

Der Park liegt am Lindenhofweg 19 und ist ganzjährig täglich ohne Eintritt geöffnet. Mit dem Stadtbus fährt man die Linie 4 in Richtung Alwind. Autofahrer parken laut Tourismusseite am Westeingang im Bereich des Lindenhofbads; innerhalb der Stadt helfen die Hinweise auf der Seite Parken in Lindau. Die meisten Wege sind mit dem Rollstuhl befahrbar.

Wer den Ausflug verlängern will, hat zwei naheliegende Ziele. Das Hoyerbergschlössle steht nicht weit entfernt im Stadtteil Hoyren auf einem Moränenhügel mit Blick über die Insel; das Gebäude ist zwar geschlossen, die Aussicht aber nicht. Der Alte Friedhof Aeschach liegt weiter östlich auf dem Festland und passt zum Thema Stadtgeschichte. Beide Orte sind, wie der Lindenhof, Teil des Gartenkulturpfads, mit dem die Stadt kuratierte Spaziergänge durch ihre Grünanlagen anbietet.

Ein Hinweis zur Tageszeit: Wer die Friedensräume mitnehmen möchte, plant den Besuch an einem Werktag zwischen Dienstag und Samstag, weil das Museum dann schon um 10 Uhr öffnet, sonntags erst um 14 Uhr. Im Hochsommer teilt man den Westteil mit den Gästen des Lindenhofbads, das ohne Eintritt zum Baden einlädt; mehr dazu auf der Seite Baden in Lindau. Und wer nach dem Park noch Zeit hat, findet mit dem Beobachtungssteg an der Reutiner Bucht auf der anderen Seite der Insel ein Kontrastprogramm: kein geplanter Garten, sondern Schilf, Wasservögel und ein Steg, der den Blick lenkt, ohne die Natur zu stören.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Kostet der Lindenhofpark Lindau Eintritt?

Nein. Laut der Tourismusseite der Stadt Lindau ist der Park ganzjährig täglich geöffnet und kostenlos zugänglich. Eintritt verlangen nur die Friedensräume im Ostflügel der Villa, ein interaktives Museum zum Thema Frieden. Auch das benachbarte Lindenhofbad, heute Lindi Bodensee, ist nach Angaben der Betreiber frei zugänglich. Der Park selbst hat keine Kasse und keinen Zaun mit festen Schließzeiten, wie man sie von Schlossgärten kennt.

Wie kommt man ohne Auto zum Lindenhofpark Lindau?

Die Stadt nennt die Stadtbuslinie 4 in Richtung Alwind als Verbindung zum Park. Wer mit dem Zug anreist, steigt je nach Verbindung in Lindau-Reutin oder am Bahnhof Lindau-Insel um. Mit dem Auto fährt man zum Westeingang beim Lindenhofbad, wo geparkt werden kann. Die Adresse des Parks lautet Lindenhofweg 19 in 88131 Lindau.

Wer hat den Lindenhofpark angelegt?

Bauherr war der Lindauer Handelsherr Friedrich Gruber, der in Italien zu Wohlstand gekommen war. Die Villa entwarf der Münchner Architekt Franz Jakob Kreuter, den Auftrag erhielt er 1840. Den Park gestaltete der Düsseldorfer Gartenkünstler Maximilian Friedrich Weyhe, der ein Gelände aus rund vierzig Obst- und Weingärten in einen Landschaftsgarten umwandelte.

Was sind die Friedensräume in der Villa Lindenhof?

Die Friedensräume sind ein interaktives Museum der katholischen Friedensbewegung pax christi, Diözesanverband Augsburg. Es ging aus einem 1980 gegründeten Friedensmuseum hervor und wurde 2001 neu konzipiert. Besucher gehen durch Räume wie ein Lese- und ein Hörzimmer und setzen sich dort mit Frieden und Gerechtigkeit auseinander. Das Haus ist nur in der Saison geöffnet.

Welche Rolle spielte der Park bei der Gartenschau 2021?

Der Lindenhofpark war einer von sieben Außenstandorten unter dem Titel „Die Region macht mit“. Die Gartenschau ordnete jedem Ort ein Gefühl zu, dem Park die Bewunderung. Gebaut wurde für die Gartenschau im Park nichts; er diente als Beispiel dafür, wie ein über Generationen gepflegter Garten eine Stadt prägt, und wurde im Audioguide der Gartenschau vorgestellt.

Ist der Lindenhofpark barrierefrei?

Die Tourismusseite der Stadt Lindau gibt an, dass die meisten Wege im Park mit dem Rollstuhl befahrbar sind. Das Gelände ist allerdings modelliert, mit künstlich aufgeschütteten Hügeln, sodass einzelne Wege Steigungen haben. Wer auf Barrierefreiheit angewiesen ist, fragt für die Friedensräume in der Villa am besten vorab beim Museum nach dem Zugang.