Luitpoldpark Lindau: Ruhezone der Gartenschau 2021 und heute
Zwischen Karlsbastion und Bürgerpark liegt der ruhigste Teil der Hinteren Insel. Für die Gartenschau 2021 wurde der dünne Rasen über einer Tiefgarage durch Stauden, Gräser und 800 Rosen ersetzt, dazu kamen Bänke und ein Programm rund um den Frieden. Den Mittelpunkt bildet bis heute der hölzerne Ring for Peace, über dessen Zukunft Lindau inzwischen diskutiert.

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Zwischen Karlsbastion und Bürgerpark
Stauden, Gräser und 800 Rosen über der Tiefgarage
Ruhiger Park mit dem Ring for Peace
Ein Park auf einem Garagendach
Der Luitpoldpark Lindau ist der Bereich der Hinteren Insel, den man leicht unterschätzt. Er liegt zwischen der Karlsbastion und dem Bürgerpark, in der Nähe des Pulverturms und der Luitpoldkaserne, und ist kleiner und stiller als die Flächen weiter nördlich. Genau das war die Absicht: Im Konzept der Gartenschau sollte hier die Ruhezone der Insel entstehen, während im Bürgerpark gespielt, geklettert und geskatet wird.
Unter einem Teil des Parks liegt eine Tiefgarage. Das bestimmte lange sein Aussehen. Über der Decke wuchs nur eine dünne Rasenschicht, die für Insekten und Vögel wenig bot. Die Planer von Atelier Loidl aus Berlin, die das gesamte Gartenschaugelände entwarfen, nahmen sich gerade diese Fläche vor.
Wer vom Bürgerpark herüberkommt, merkt den Unterschied: Statt Sportgeräten und Spielgerüsten stehen hier großzügig verteilte Bänke.
Der Luitpoldpark Lindau zur Gartenschau 2021
Die Umgestaltung begann im November 2019, knapp einen Monat nach dem symbolischen Spatenstich, der am 17. Oktober 2019 übrigens auf der Luitpoldwiese stattfand. Zuerst ging es um das Wegesystem. Bei einer Baustellenführung fragten Anwohner, ob die Zufahrten zur angrenzenden Schule bleiben. Sie blieben, ebenso wie alle anderen Wege an den Gebäuden, weil es sich um Rettungswege handelt. Abgeschlossen waren die Arbeiten im Herbst 2020.
Danach kam die Bepflanzung. Der dünne Rasen über der Tiefgarage wich blühenden Sträuchern, Gräsern und Stauden, die Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum bieten. Im nördlichen Teil säte das Gartenschauteam eine bunte Blumenwiese aus Stauden und mehrjährigen Blumen, ebenfalls als dauerhafte Fläche. Die Botschaft dahinter richtete sich an die ganze Stadt: Grünflächen müssen nicht immer Rasen sein, und Blühwiesen sind nach Aussage des Gartenschauteams nicht zwingend pflegeaufwendiger.
Diese Idee stammt aus dem Grünflächenkonzept der Stadt Lindau. An möglichst vielen geeigneten Stellen sollen monotone Rasenflächen durch artenreiche Pflanzungen ersetzt werden. Der Luitpoldpark war dafür das Beispiel im Maßstab eins zu eins, bezahlt aus der Gartenschau-Förderung des Freistaats, die auch Bürgerpark, Uferstufen und Karlsbastion finanzierte.
Der Pulverturm am Rand des Parks war schon in der Bauzeit ein Treffpunkt. Am 20. November 2019 begann dort um 15.30 Uhr die erste öffentliche Baustellenführung über das Gelände, zu der etwas mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger kamen. Die erste Gruppe ging vom Pulverturm durch den Luitpoldpark zur Karlsbastion, wo die Sanierung der Mauern gerade begonnen hatte. Auch spätere Rundgänge, etwa der von sieben Stadträten im strömenden Regen, führten über die Bastion in den Park und weiter zum Bürgerpark.
Für die Gartenschau 2021 bekam der Ort sogar eine kleine literarische Rolle. In einem Kinderbuch rund um die Gartenschau, in dem eine Seejungfrau namens Luina die Hintere Insel erkundet, staunen die Figuren über die Blumenwiese am Pulverturm und die alten Baumschätze der Insel.
800 Rosen und eine Wiese für Insekten
Den auffälligsten Beitrag lieferte die Firma Zeba. Ihre Mitarbeiter pflanzten vor der Eröffnung 800 Rosen, die bis zum 20. Mai 2021 zu einer Hecke heranwachsen sollten. Die Farben reichen von Cremeweiß über Hellgelb bis zu Rosa und Purpurviolett. Wichtig war der Hinweis der Gartenschau-Geschäftsstelle, dass es sich um eine dauerhafte Pflanzung handelt. Die Rosen waren nicht für einen Sommer gedacht.
Anders die Sommerflor- und Dahlienflächen entlang des Hauptwegs. Sie ergänzten 2021 die Rosen und gehörten zum temporären Blumenschmuck, der nach der Schau wieder verschwand. Wer den Park heute besucht, sieht also den dauerhaften Teil der Pflanzung ohne die Wechselbeete des Gartenschausommers.

Der Ring for Peace
Gestalterischer Fixpunkt des Parks ist eine Holzskulptur, die schon vor der Gartenschau dastand. Der Ring for Peace wurde im August 2019 zur 10. Weltversammlung von Religions for Peace aufgestellt, die damals in Lindau tagte. Er ist siebeneinhalb Meter hoch, aus Lärchenholz gebaut und hat die Form eines Möbiusbands, einer Schleife mit nur einer Seite, die für Unendlichkeit steht. In die Konstruktion sind 36 Hölzer aus zertifiziertem Anbau von allen Kontinenten eingearbeitet.
Den Entwurf lieferte der Holzgestalter Gisbert Baarmann aus Templin. Zur Eröffnung der Weltversammlung fand am Ring eine interreligiöse Zeremonie mit allen Delegierten statt, und der Bundespräsident weihte die Skulptur ein. Weil von hier ein Friedensgruß der Religionen in die Welt ging, sollte der Ring auf Dauer im Luitpoldpark bleiben. Er ist an keine bestimmte Religion gebunden und schließt keine aus, darauf legten die Initiatoren Wert.
Die Gartenschau baute ihr Konzept für den Park um diese Skulptur herum. Der Ring stand 2021 als eigener Beitrag mit der Nummer 26 im Ausstellungsverzeichnis, gleich nach ihm folgte als Nummer 27 das Bienenhaus des Bienenzuchtvereins Lindau, und gab dem Luitpoldpark sein Thema. Aus ihm leitete sich das gesamte Programm des Sommers ab.
Kirchenschiff, Friedensklima und ein Kubus
Während der Gartenschau war der Luitpoldpark als Ort der Stille und Besinnung ausgewiesen. Die Kirchengemeinden stellten ein Kirchenschiff mit Segel auf, in dem regelmäßig Gottesdienste, Lesungen und Musik stattfanden. Auch die Beiträge zur Friedhofskultur hatten hier ihren Platz, was im Rest des Geländes eher fremd gewirkt hätte.
Daneben zeigte der Beitrag „Friedensklima“, unterstützt von der Stadt Lindau und den Friedensräumen, zum ersten Mal auf einer bayerischen Gartenschau die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Die Verbindung von Frieden und Klima wirkte auf den ersten Blick ungewöhnlich. Im Juli 2021 blieb eine prominente Besucherin, die Vizepräsidentin des Bundestags, besonders lange an diesem Stand. Unweit davon stand der „Kubus im Fluss“ einer Künstlerin aus Friedrichshafen, der Frieden spielerisch erfahrbar machen wollte.
Das Programm war eine bewusste Entscheidung für einen Park ohne Spektakel. Nicht jeder Gartenschaubesucher suchte das. Wer aber vom Trubel am Sportband im Bürgerpark kam, fand hier einen Ort, an dem man sich einfach hinsetzen konnte.

Der Luitpoldpark Lindau heute
Nach dem Ende der Gartenschau am 10. Oktober 2021 wurde der Park schnell wieder freigegeben. Ab dem 30. Oktober war der Uferweg von der Eilguthalle über Schützinger Promenade und Karlsbastion durch den Luitpoldpark bis zum Kiosk im Bürgerpark wieder durchgehend begehbar. Kirchenschiff, Kubus und die Wechselbeete gehörten zur temporären Ausstellung und wurden abgebaut; Rosen, Blumenwiese und Bänke waren von Anfang an als dauerhafter Bestand geplant. Die Stadt hatte schon vor der Schau festgelegt, dass Bürgerpark und Luitpoldpark bleiben, während auf den temporären Ausstellungsflächen ein Wohngebiet geplant war.
Offen ist dagegen die Zukunft des Rings. Im März 2025 berichtete die Schwäbische Zeitung, Anwohner nannten den Zustand der Skulptur erbärmlich. Die Eigentümerin, eine Stiftung für den Friedensdialog der Weltreligionen, hatte sich aufgelöst und im November 2024 Insolvenz angemeldet, das Verfahren lief seit Ende Januar 2025. Der Ring steht auf städtischem Grund, den die Stiftung gepachtet hatte. Die Stadt erklärte, alle Beteiligten berieten über den Erhalt. Ein späterer Beschluss war bei Redaktionsschluss dieser Seite nicht bekannt.
Besuch: am besten früh oder unter der Woche
Der Park hat keine Öffnungszeiten und kostet keinen Eintritt. Er liegt am Uferweg, der die Hintere Insel umrundet, und lässt sich gut mit der Karlsbastion im Süden und dem Bürgerpark mit den Uferstufen im Norden verbinden. Zu Fuß ist er vom Bahnhof Lindau-Insel in wenigen Minuten erreichbar; wie man am besten auf die Insel kommt, steht unter Anreise auf die Lindauer Insel.
Die Ruhe, für die der Park geplant wurde, findet man am ehesten außerhalb der Sommerwochenenden. Wer an einem warmen Tag kommt, sollte bedenken, dass die Uferstufen und die Wiesen des Bürgerparks direkt nebenan liegen und den größten Andrang anziehen. Wer sich für die Idee hinter der Bepflanzung interessiert, kommt am besten im Frühsommer, der klassischen Rosenzeit. Einen Überblick über alle sechs Bereiche der Gartenschau gibt die Seite zum Konzept der Gartenschau Lindau.
Häufige Fragen
Wo liegt der Luitpoldpark in Lindau?
Der Luitpoldpark liegt auf der Hinteren Insel zwischen der Karlsbastion im Süden und dem Bürgerpark im Norden, in der Nähe des Pulverturms. Man erreicht ihn über den Uferweg vom Hafen und von der Schützinger Promenade aus oder von der Thierschbrücke her durch den Bürgerpark. Vom Bahnhof Lindau-Insel ist er zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar.
Was wurde im Luitpoldpark Lindau zur Gartenschau 2021 umgestaltet?
Die Arbeiten liefen von November 2019 bis Herbst 2020. Das Wegesystem wurde überarbeitet, wobei Zufahrten zur Schule und Rettungswege erhalten blieben. Der dünne Rasen über der Tiefgarage wich blühenden Sträuchern, Gräsern und Stauden, im Norden entstand eine dauerhafte Blumenwiese, und die Firma Zeba pflanzte 800 Rosen. Bezahlt wurde das aus der Gartenschau-Förderung des Freistaats.
Was ist der Ring for Peace im Luitpoldpark?
Der Ring for Peace ist eine 7,5 Meter hohe Holzskulptur in Form eines Möbiusbands. Sie entstand im August 2019 zur 10. Weltversammlung von Religions for Peace in Lindau, entworfen vom Holzgestalter Gisbert Baarmann. In das Lärchenholz sind 36 Hölzer von allen Kontinenten eingearbeitet. Der Ring steht für den Frieden zwischen den Religionen und wurde vom Bundespräsidenten eingeweiht.
Wie steht es heute um den Ring for Peace im Luitpoldpark Lindau?
Im März 2025 berichtete die Schwäbische Zeitung über den schlechten Zustand der Skulptur. Die Stiftung, der sie gehörte, hatte sich aufgelöst und im November 2024 Insolvenz angemeldet. Der Ring steht auf städtischem Grund, den die Stiftung gepachtet hatte. Die Stadt erklärte damals, alle Beteiligten berieten über den Erhalt; ein Ergebnis war zum Zeitpunkt des Berichts nicht bekannt.
Sind die Rosen der Gartenschau im Luitpoldpark geblieben?
Die 800 Rosen wurden ausdrücklich als dauerhafte Pflanzung gesetzt, die nach der Gartenschau bestehen bleiben sollte. Ihr Farbspektrum reicht von Cremeweiß über Hellgelb bis zu Rosa und Purpurviolett. Auch die Blumenwiese im nördlichen Teil war von Anfang an als bleibende Fläche geplant. Nur die Sommerflor- und Dahlienbeete am Hauptweg gehörten zum temporären Schmuck des Gartenschausommers.
Kostet der Luitpoldpark Eintritt?
Nein. Eintritt kostete das Gelände nur während der Gartenschau vom 20. Mai bis 10. Oktober 2021. Seit dem 30. Oktober 2021 ist der Luitpoldpark wieder ein öffentlicher Park, der zusammen mit Schützinger Promenade, Karlsbastion und Bürgerpark frei zugänglich ist. Der Park ist Teil des Parkbands um die Hintere Insel, das die Stadt Lindau 2024 beim Bundespreis Stadtgrün ausgezeichnet wurde.